Beschreibung
Zille, Heinrich
Titel: Pinselheinrich
Reych: Nr. 175 Lietzowia (Berlin)
Geb.: 10.01.1858 in Radeburg
Gest.: 09.08.1929 in Berlin
Volltext
deutscher Zeichner und Karikaturist Zille wurde als Sohn eines Uhrmachers und Goldschmiedes geboren, der 1867 mit seiner Familie nach Berlin verzog, um dort bessere Lebensbedingungen zu finden. Nachdem Zille selbst eine entbehrungsreiche Jugend verbracht hatte, suchte er seine „Modelle“ und Motive in armseligen Hinterhäusern Mietskasernen Lebensgewohnheiten karikierend festzuhalten. Dem Rat seines Zeichenlehrers Spanner folgend, begann Zille eine Lehre als Lithograph, besuchte Abendkurse an der Kunstschule, wurde Schüler bei Prof. Th.Hosemannund Dromschke, leistete seinen zweijährigen Militärdienst in Frankfurt a.d. Oder ab, der mit Wachdienst im Sonneberger Zuchthaus abschloss. 1878 trat er in die „Werkstatt der photographischen Gesellschaft" ein. Durch seine humorvollen, satirischen Darstellungen aus dem Berliner „Milljöh" erwarb er sich große Volkstümlichkeit. Kurz vor der Jahrhundertwende brachte der „Simplizissimus" und „Jugend“ die ersten Zeichnungen von ihm. 1901 folgte eine Ausstellung durch die „Berliner Sezession", deren Präsident Max Liebermann war, die Aufsehen erregte und weite Kreise auf den stets bescheiden auftretenden Künstler aufmerksam machte. Er besaß wie kein anderer die Gabe. sich bei seinen Zeichnungen auf das Wesentliche zu beschränken und damit die Aussagekraft seiner Bilder zu verdeutlichen. Durch ihn entstand eine Sitten- und Kulturgeschichte Berlins in Bildern zwischen den Jahren 1880 und 1929. Zu seinem 50. Todestag wurde im August 1979 ein TV-Film ausgestrahlt, in dem Martin Held die Rolle des beliebten Karikaturisten übernahm. Angefügt sei Zilles eigene Lebensbetrachtung: „Also 1872 lernte ich Lithograph. In diesem Haus war das alte berühmte Balllokal „Das Orpheum". Zum Frühstück musste ich Bier holen. Das konnten wir von den Kellnern, die eine eigene Kantine hatten, und vormittags beim Putzen des Fußbodens bekommen. Da lagen noch Männer und Weiber in den Nischen und Logen: die Glücklichen der Gründerzeit, die die Ernte der Kriegserfolge von 1870/71 einheimsten. Bei diesem Lithographen, gemeint ist Theodor Hosemann, wurden die deutschen Heerführer und Fürsten dutzendweise in allen Größen fabriziert. War auch die Arbeit am Tage nicht erfreulich, umso mehr die Abende in der Kunstschule und Sonntags gings ins Freie, um Landschaft zu „versuchen". Nach der Militärzeit ging ich zum graphischen Gewerbe, wie Lichtdruck, Zinkographie, Photogravüre über, da hat mir das etwas zeichnen können geholfen, gute Arbeit zu machen. Mancher Beitrag für Zeitungen war entstanden, die Zeichnungen und Skizzen sammelten sich an, sodass ich auf Zureden von Freunden mich zaghaft traute, in der ersten Schwarz-Weiß-Ausstellung der Berliner Sezession 1901 auszustellen. Man war entrüstet über die Verunglimpfung Berlins und seiner Bewohner. Nach und nach lernten die Leute jedoch sehen, urteilen und mich verstehen." (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt