Reych Nr. 215

Deubler, Konrad

Unbekannt ·D-F

Beschreibung

Deubler, Konrad
Titel: Wunderbauer
Reych: Nr. 215 Iscula (Bad Ischl)
Geb.: 26.11.1814 in Goisern
Gest.: 31.3.1884 am Primesberg

Volltext

österreichischer Bauer, Müller, Gastronom und Politiker Konrad tritt in Hallstatt die Müller-Lehre an und wird die Müllerei 18 lang ausüben, die meiste Zeit in der „Felsenmühle“ von Hallstatt; von dort aus macht er Reisen nach Venedig, Triest, Dresden und Wien, worüber er fleißig Tagebuch führt. Mit 18 Jahren heiratet er eine Obertraunerin. Eine Episode am Rande: 1848 ist er wieder in Wien, wo er das Ende der Revolution erlebt; zurückgekehrt, beherbergt er bei sich zu Hause immer wieder Flüchtlinge aus Wien und verhilft ihnen zur Flucht ins Ausland. Zusammen mit seiner treuen und tüchtigen Frau erwirbt er 1849 in Goisern eine Bäckerei, verbunden mit einer Gastwirtschaft. Das Besondere an seinem Wirt-Dasein besteht darin, dass er sein ganzes Leben lang, er wird siebzig, keinen Tropfen Alkohol zu sich nimmt. Das Leben Deublers lässt, was die Entwicklung eines Weltbildes betrifft, drei Abschnitte erkennen, die auf seine bäuerliche Herkunft schließen lassen; hier wie dort gibt es eine „Zeit der Saat“, in der er die Geschichte und die Entwicklung des Gesellschaftsraumes erforscht und nach Glauben und Wahrheit In der „Zeit der Reife“ wendet er sich von Kirche, Religion und Gott ab, was er, weil er den Mund nicht halten kann, in letzter Konsequenz mit Verfolgung und Kerkerhaft büßen muss; ihm wird der Prozess gemacht wegen „Religionsstörung und Hochverrats“ und er sitzt zunächst ein Jahr lang in Untersuchungshaft in Graz, anschließend zwei Jahre im Zuchthaus von Brünn und wird zuletzt bis 1857 nach Olmütz verbannt. Nach seiner Rückkehr nimmt er seine Studien wieder auf und tritt mit den größten Wissenschaftlern und bedeutendsten Schriftstellern (Ludwig Anzengruber, Georg Büchner, Nobelpreisträger Paul Heyse, Peter Rosegger u.a.) Kontakt auf; in dieser Zeit entsteht seine 1.500 Bände umfassende Bibliothek. In der „Zeit der Ernte“ erlebt er Erfüllung in der Freundschaft mit Ludwig Feuerbach und Ernst Haeckel, wird zum uneingeschränkten Freidenker, zum Darwinisten und, im gesellschaftlichen Alltag, zu einem hervorragenden Mitbürger. 1864 wird er politisch rehabilitiert, sechs Jahre später zum Bürgermeister gewählt, der die katholische und die evangelische Schule auflöst und, wenn man den Historikern glauben darf, in Goisern die seinerzeit großartigste Gemeindeschule der gesamten Monarchie gründet. Sein Bürgermeisteramt legt er, weil es ihm zur „lästigen Pflicht“ wird und weil er den eigenen Worten nach kein „Dorf-Bismarck“ sein will), ein Jahr später zurück; dafür wird vom Gemeindeausschuss zu einer Buß-Strafe von 40 Gulden verdonnert. Konrad ruft die „Deubler-Stiftung“ ins Leben, in der er ein Drittel seines gesamten Vermögens den Schulkindern armer Eltern vermacht; sie sollen aus dem Ertrag der Stiftung im Winter verpflegt werden. 1873 zieht sich Deubler mit seiner Frau und seiner über alles geliebten Ziehtochter Anna auf den Primesberg zurück, pflegt seine Landwirtschaft und erfreut sich bis zu seinem Ableben 1884 an seinen philosophischen, anthropologischen und naturwissenschaftlichen Studien. Sein wichtigstes Vermächtnis, die konfessionslose Schule, ist dem Klerus jahrzehntelang ein Dorn im Auge und wird 1901 zugunsten einer konfessionellen Schule geschlossen. (Text aus der Laudatio zur Erkürung (215))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt