Ludlamshöhle

Unbekannt ·Ritterbuende

Beschreibung

Ritterbünde Ritterschaft bzw. Ritterbund, bestand Dezember 1817 – April 1826 in Wien Wahlspruch: „schwarz ist roth und roth ist schwarz“ „Da der Mensch nur die Wahl hat zwischen Bedlam (engl. „Chaos“ bzw. „Wahnsinn“) und Ludlam, das heißt zwischen unbewusster und bewusster Narrheit, so entscheide ic

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Ritterbünde Ritterschaft bzw. Ritterbund, bestand Dezember 1817 – April 1826 in Wien Wahlspruch: „schwarz ist roth und roth ist schwarz“ „Da der Mensch nur die Wahl hat zwischen Bedlam (engl. „Chaos“ bzw. „Wahnsinn“) und Ludlam, das heißt zwischen unbewusster und bewusster Narrheit, so entscheide ich mich für die Ludlam.“ (Franz Grillparzer) Die als legitime Vorgängerin der Schlaraffia angesehene, „Ludlamshöhle“ zu Wien wurde im Dezember 1817 von dem österreichischen Dramatiker und Dichter Ignaz Franz Castelli (1781 – 1862), gemeinsam mit anderen Künstlern, Schriftstellern, Intellektuellen und Musikern, ins Leben gerufen und nach dem Theaterstück „Ludlam’s Höhle“ (anderer Titel: „Aladdin“) des dänischen Dichters Adam Oehlenschläger (1779 – 1850) benannt. Die „Ludlamshöhle“ war eine reine Männergesellschaft, verfolgte keinerlei politische, religiöse, oder vordergründig künstlerischen Ziele, ihr Zweck war – ganz banal – Brüderlichkeit und Pflege der Kunst und das gesellige Beisammensein am abendlichen Stammtisch, wo scharfsinniger Ulk und sinnreicher Unsinn oberstes Gebot der ludlamitischen Unterhaltung waren. Mit der Ludlamshöhle war „eine Gesellschaft in Wien zusammengekommen, die an Geist und Lustigkeit und Reichthum, der in ihr vertretenen Elemente vor- und nachher nie wieder ihres Gleichen haben sollte…“ (Max Maria von Weber in der Biographie seines Vaters Carl Maria Weber) Die „Ludlam“ hatte ca. 100 Mitglieder, von denen sich allerdings allabendlich im „Gasthaus im Schlössergässchen“ des Leopold Haidvogel, immer nur ein überschaubarer Kreis von etwa 20 – 30 Personen traf. Man gab sich kurios-groteske Ludlamsnamen, die zum Teil selbst für damalige Mitglieder schwer zu merken gewesen sein dürften und sogenannte Gesellschaftsbestimmungen, deren erste und vorzüglichste war: Kein Wort von Politik, oder Handelsangelegenheiten durfte gesprochen werden! Bekannte Mitglieder waren Carl Maria von Weber (1786 – 1826), Franz Grillparzer (1791 – 1872), Friedrich Rückert (1788 – 1866), Moritz Saphir (1795 – 1858), Carl Eduard von Holtei (1798 – 1880) und Antonio Salieri (1750 – 1825). Im April 1826 wurden auf Anordnung des Wiener Polizeioberdirektors Alois von Persa die Vereinsräume der „Ludlam“ durchsucht, alle Gerätschaften, Abzeichen und Schriften konfisziert, sowie mehrere Ludlamiten „peinlich“ verhört. Zwar wurde letztendlich festgestellt, dass die „Ludlam“ weder eine „geheime Gesellschaft“ war, noch viel weniger von einer „Staatsgefährdung“ die Rede sein konnte und somit bekam sie auch teilweise ihre Schriften, bestehend aus geistreichen Possen, Zoten, Liedern, Lustspielen, Musikwerken, Zeichnungen, Karikaturen etc., sowie das Vermögen von ca. 300 Gulden zurück, allerdings wurde ihr nahegelegt, sich für die Zukunft aufzulösen.…, was auch geschah. Zur Auflösung der Ludlamshöhe schreibt Rt UHN-Synn in DSZ 4/163: „Die Behörden erklärten die „Ludlamshöhle“ für eine geheime, staatsgefährdende Gesellschaft und nutzten diesen Vorwand für den widersinnigen polizeilichen Einsatz im Wiener Schlossergässchen. Als wahrer Grund entpuppte sich allerdings der eifersüchtige, mit Rache verbundene Hass des Wiener Polizeioberdirektors Hofrat Alois von Persa auf den Wiener Maler Moritz Michael Daffinger. Der Wiener Volksmund bezeichnete Persa als den „Allbelauerer“, und Franz Grillparzer nannte ihn einen „Schuft“. In der Ludlamshöhle war Daffinger mit seiner sprühenden Laune und seinem treffsicheren Witz am richtigen Platz. Dabei setzte sich die wilde Stimmung manchmal auch noch auf dem Heimweg fort, wie an jenem 10. November 1825, als Daffinger in Begleitung Grillparzers frühmorgens lärmend über den Graben (Straßenbezeichnung gleich neben dem Stephansplatz) wankte. Von einer Polizeiwache wurde er zurechtgewiesen. Dadurch ließ er sich zu weiteren Beschimpfungen über die verhasste Polizei hinreißen. Grillparzer und andere hinzu geeilte Mitglieder der Ludlamshöhle sekundierten. Daffinger wurde zu drei Tagen Arrest verurteilt, der k. k. Hofkonzipist Grillparzer erhielt eine „eingreifende Verwarnung“. Daffinger bemühte sich, es bei der Polizeibehörde zu erreichen, dass „ihm den Polizeiarrest im Wege der Gnade“ nachzusehen sei, da er sich „jenes Vergehens im Zustand des Rausches und seines Bewusstseins nicht mächtig“ schuldig gemacht habe. Das Gesuch wurde am 6. Februar 1826 abgelehnt. Die wirklichen Gründe der schweren Bestrafung Daffingers lagen jedoch in der persönlichen Gegnerschaft des zweiten Polizeidirektors Persa zum Maler Daffinger, der ihm bei einer Liebesangelegenheit hinderlich war. Hofrat Persa dehnte daher seine Untersuchungen - über Daffinger und Grillparzer hinaus - auf die gesamte Ludlamshöhle aus und stellte dem Kaiser die gesellige Runde als staatsgefährliche Geheimgesellschaft dar. Am 16. April 1826 wurde der Geburtstag des „Kalifen Rauchmar“ unter den Ludlamiten festlich begangen. Um drei Uhr, als die letzten Gäste nach Hause gegangen waren, wurden die Türen des Lokals gesprengt, das Mobiliar versiegelt und alle Papiere, Bilder und Tabakspfeifen von der Polizei beschlagnahmt. Bei Castelli erschien Persa höchstpersönlich und beschlagnahmte eine Schachtel Hustenpulver, die er für Gift hielt. Ähnlich erging es auch allen anderen Mitgliedern der Ludlamsrunde. Alle kamen vor Gericht, doch stellte sich bald der harmlose Charakter der Zusammenkünfte heraus. Vor Gericht kam es zu urkomischen Zwischenfällen, über die ganz Wien lachte. Die Verhandlungen mussten eingestellt werden. Hofrat Persa fiel danach beim Kaiser in Ungnade und nahm sich einige Jahre später, auch wegen vermuteter Geldunterschlagungen, das Leben.“
Quelle: Lulupedia Import