304 An der Meyenburg
Ein glückliches Reych. Geist ist hier zuhause, Frohsinn und Freundschaft. Wie schon in der Chronik
des profanen Jahres 1984 dargestellt, haben die harmonische Kontinuität am Thron, im Kantzler-
amt und im Amt des Marschalls im Verein mit dem hellwachen Geist und Übermut der Sassen uns
nicht nur Hirsebrei und Narretei gewährt.
Welch Segen der Junkermeister Salbatross! Ein Garant dafür, dass Plattitüden von vornherein ver-
bannt blieben! Und welch Erleben: Der güldene Ball fliegt! Gesteigertes Sippen: Blitzduell. Immer
mit Niveau.
Und stolz sind wir auf die vielen Einritte lieber Sassen von nah und von fern. Bestätigt uns das doch
den Rang unserer Sippungen. Dabei immer wieder die Überraschungen unserer Musici, seien es
musikalische Purzelbäume, sei‘s ergreifender Ernst. Richtig war‘s, dass vor ein paar Jahren die alte
Garde am Thron, nämlich die Rt Mannoli, Point-Karé u. Fritz-Jus, der Junkermeister Rt Salbatross,
der Kantzler Rt Cantabene und der Marschall Rt Apodoris der jüngeren Generation Platz gemacht
haben.
Wissen und Weg in die Dichtung zeichnen Herrlichkeit Dreistan als OK aus. Und der OI MacBabbel
pönt nicht nur lustvoll - schlagfertig bringt er die Sassen zum Lachen. Mit Takt hält OÄ Mammodo-
re übermütig die Zügel in der Hand. Gern kommen die Sassen zur Burg. Aber was tun, wenn, wie
einmal geschehen, Oho aus geheimen Gründen nur wenige eigene Sassen zur Sippung lässt und
wenn gleichzeitig Massen von Gastrecken in unsere Burg drängen?
Auf Antrag unseres ER Reitsdemit ergab sich schlagartig die Lösung: Hausherren wurden jetzt ein-
fach die Gastrecken und wir, die Sassen der Meyenburg, sind als die dann formell begrüßten Gäste
bei Wahrung aller Ceremonien zuhause korrekt eingeritten. Mit dem Recht auf den Ihi, wie sich‘s
für Gäste geziemt.
Höhepunkte sind seit je die alljährlich im Wechsel stattfindenden Faust-, Funke- oder Freimund
Reimar-Turneye. Welche Ideen kommen da zutage! Nicht aus dem Schulbuch oder dem Lexikon!
Dafür persisch gesprochene Gedichte, in Deutsch von Freimund Reimar (Friedrich Rückert). Schon
die Musikalität des persischen Wortklangs hat die Übersetzung erleichtert.
Argen Aderlass haben wir seit a.U. 143 erfahren müssen. Fünfzehn unserer besten Sassen und Eh-
renritter sind gen Ahalla geritten. Glücklich sind wir, dass die Junkerbank unter der fröhlichen Knute
des Rt Eiax nicht leer ist und dass der frischgebackene Hofnarr Rt Pay-san-o an witzigen Einfällen
sich überschlägt. Ein würdiger Nachfolger unseres Erbhofnarren Biero-bácsi!
65 Sassen in einem durchschnittlichen profanen Alter von 64 und einem schlaraffischen von 20
Jahren sind in unserer schönen Burg „In der Spinnmühle” zuhause.
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305 Landes-Aue
„Ein Traum wird Wirklichkeit”, so könnte man die Jahre überschreiben, in denen aus dem im „Engli-
schen Garten” eingemieteten Reych die stolze Besitzerin einer eigenen Burg wurde. Wie viele ande-
re Reyche auch musste man die Launen des Vermieters ertragen, Mieterhöhungen und Kündigung
befurchten. Derweil gab es unter den Sassen den Traum von der selbst gebauten Burg. Nach dessen
Verwirklichung erlebten die Sassen schöne Sippungen mit vielen Freunden. Gerne ritten diese auch
bei den Frühlingsfesten und Rittermahlzeiten ein, die die Landes-Aue im Uhuversum bekannt ge-
macht hatten.
Der Kauf einer Baracke, die Nutzung eines Schulpavillons, der Umbau einer Kellerruine waren keine
echten Perspektiven. Alles kostete ja Mammon. Erst durch die Schenkung mit dem zeitlich be-
fristeten Nutzungsrecht, in dem Rt Tramino der Schlaraffia e.V. sein Wochenendhaus im Ofenthal
vermachte, wurden wir ein reiches Reych.
Nun überstürzten sich die Ereignisse. Als ein Käufer sein Interesse für das Waldgrundstück bekun-
dete, waren viele Sassen erstaunt über den zugesagten Kaufpreis. Im Eifer der Verkaufsverhandlun-
gen hat man sogar vergessen den Schenker des Ofenthals zu informieren. Erst ein handgefertigter
„Ofenthaler” aus edlem Metall glättete die Wogen. Als man später das Nebenzimmer der Burg
„Tramino Stube” taufte und der Stifter sein Konterfei über der Eingangstür anbringen konnte, war
aus dem enttäuschten Schenker der einzigartige „Vater der Trifelsburg” geworden.
Die folgenden Jahre des Burgbaues waren für die Landes-Auer Sassen nicht immer leicht. Die ge-
samte Bausumme betrug weit mehr als das Doppelte des ursprünglich verfügbaren Kapitals. Ein
großes Baudarlehen zu günstigen Konditionen, Kleinkredite von Sassen, der gestiftete Ofenthaler
und der Orden des Meriten-Ritters, sowie eine ganze Reihe von Sachspenden beflügelten den Bau.
Neben Baumaterial und Arbeitszeit waren dies das Podium für den Thron, die Beleuchtungskörper,
die Vorhänge, die Tür zum Burgverlies, die Pflanzen für die Außenanlage, und, und...
All diese über Jahre hinweg andauernden gemeinsamen Anstrengungen machten es schließlich
möglich, dass der Vereinsvorsitzende am Ende der Winterung 141/142, also rund 10 Jahre nach der
Burgweihe stolz verkünden konnte, dass demnächst der letzte Rest des Baudarlehens zurückge-
zahlt werden könne und damit die Trifelsburg gänzlich Eigentum des Reyches Landes-Aue sei.
Die Sassen der Landes-Aue haben durch den Burgbau mehr gewonnen als ein eigenes Haus. Na-
türlich blieb unser Reych nicht verschont von den kleinen und größeren Reibereien, wie sie bei allen
menschlichen Gemeinschaften vorkommen.
Das gemeinsame Ziel, aus einem Traum Wirklichkeit werden zu lassen, hat nicht nur die Sassen in
den Sippungen enger zusammen gebracht, sondern auch die Familien freundschaftlich verbunden.
Einen großen Teil dazu haben unsere Burgfrauen beigetragen. Als die Sippungen in der neuen Burg
begannen, haben sie die Bewirtung übernommen. Für jede Veranstaltung versorgen sie uns und
unsere Gäste vorzüglich mit Speisen und Getränken.
Möge Uhu uns diese Unterstützung noch lange erhalten, auf dass die kleine, aber korrupte Landes-
Aue noch lange sippen kann.
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