Perla Sylta

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 344 — Perla Sylta. Reychschronik aus Band IV (a.U. 126-149).

Volltext

344 Perla Sylta
Heiterkeit und Höhenflüge, Glanzvolles und Genüssliches, Aktivitäten und Abschiede – auch im
Reyche „Perla Sylta” ging es in den vergangenen 25 Jahrungen fast wie im profanen Leben zu.
Die Winterung a.U. 125 wurde durch das 25-jährige Stiftungsfest dominiert. Sassen aus sage und
schreibe 41 Reychen machen sich am 25. im Lenzmond auf den Weg in den hohen Norden – ange-
sichts dieses regen Andrangs wurde der Westerländer Kursaal kurzerhand zur Festburg geweiht.
Groß war die Freude, nachdem a.U. 127 drei Junker zu Rittern geschlagen wurden. „Denn nun ent-
stand an den Junkertafel eine gähnende Leere für viele Jahrungen”, klagte ein früherer Chronist und
orakelte: „Das Reych droht in einen schlaraffischen Tiefschlaf zu fallen.” So weit kam es zwar nicht,
doch erst a.U. 131 füllte sich die Junkertafel wieder mit drei frisch gebackenen Knappen.
Ein freudiges Ereignis galt es a.U. 137 zu feiern, hatte sich der wackere Rt Casa-Nova doch 25 Jahre
auf dem Thron behauptet. Unter den weiteren Festlichkeiten unvergessen: Der Reychsausritt ins
schwedische Malmö zum „1. Nordischen Brückenturney” a.U. 141 sowie das 2. Musikfest im Nor-
dischen Sprengel, das a.U. 142 in Westerland zelebriert wurde. Auf Initiative von Rt Tassadur (389)
intonierten 30 Sassen aus verschiedenen Reychen klassische wie auch schlaraffische Lieder. Für die
140 anwesenden Sassen ein wahrlich klangvolles Erlebnis.
„Auf Sylt ist alles anders”, lautet eine gängige Insel-Weisheit, und davon macht auch das Reych
„Perla Sylta” keine Ausnahme. Über die Grenzen des Eilands gerühmt wird etwa die Feuerzangen-
bowle-Sippung, die alle drei Jahrungen angesetzt wird. Deftig und rauh geht‘s derweil alle zwei
Jahre bei unserer Piraten-Sippung zu – nur wer die „Strapazen” tapfer übersteht, wird mit einem
„Piratentitul” belohnt.
Doch „Perla Sylta„ zeigt auch ein Herz für Tiere: Seit geraumer Zeit haben wir die Patenschaft für
zwei Uhus in einem Tinnumer Tierpark übernommen. Der emsige Styx Rt Sün Herr freut sich daher
stets über Trinkgeld, das in der „Uhu-Kasse” klimpert.
Gegenwärtig verzeichnet unser Reych 22 Ritter, 4 Junker und einen Knappen. Erfreulicherweise
mangelte es in den vergangenen Jahrungen nicht an Nachwuchs, von dem es die ersten Zöglinge
bereits zu Rittern gebracht haben. Die Kunde von unserem allzeit fröhlichen Reych wird weit in die
Welt hinein getragen.
Da die Insel Sylt auch für viele Schlaraffen als Urlaubsziel in Deutschland ganz oben steht, können
wir bei den Sippungen und Krystallinen stets zahlreiche Einritte verbuchen. Bei aller Freude am
schlaraffischen Spiel gedenken wir aber auch jener Sassen, die gen Ahalla geritten sind. Darunter
unsere verdienten Erzschlaraffen Rt Sturmbläser, Rt Lust-Cullus und Rt Energos. In ganz besonde-
rer Weise gedenken wir auch unserem wld Rt Intarsius von Klotschenbroda (Prima Canadensis) der
bis zu seinem letzten großen Ritt als offizieller Botschafter der „Perla Sylta”im ganzen Uhuversum
verbreitete, wie schön es sich hier sippen lässt.
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
345 SyracUHUsa
Anknüpfend an den vorigen Abschnitt der Chronik über das Reych SyracUHUsa muss erwähnt
werden, dass der damalige Chronist, Gründungsritter Blondel, nach 67 Jahren Zugehörigkeit zu
unserem Bunde a.U. 138 in Ahalla einritt. Er wird mit seinem „Humpenlied” unzähligen Recken in
Nordamerika und darüber hinaus noch lange in Erinnerung bleiben.
Gleich zu Beginn der neuen Berichtsperiode riss Oho den liebenswerten Rt Tulipus aus unseren
Reihen, ihn der als gebürtiger Holländer nie mit den deutschen Artikeln zurechtkam und immer mit
der Einleitung „Der, die, das Schatzbericht” die Finanzen verlas.
Das „Ausreißen” in ein wärmeres Klima, das schon a.U. 110 begonnen hatte, setzte sich mit be-
ängstigendem Tempo fort, sodass die Nachwuchsfrage immer mehr das Problem Nr. 1 des Reyches
wurde. Obwohl eine schöne Burg im Obergeschoss des hiesigen Deutschen Klubs gefunden wor-
den war, nahm auch die prozentuale Beteiligung an den Sippungen durch berufliche Prioritäten
stetig ab.
Eine ernste Spaltung entwickelte sich, als der Uhutag auf Verlangen eines Sassen von Freitag auf
Montag verlegt wurde, was aber die Beteiligung noch mehr reduzierte, da andere Sassen mit ande-
ren Aktivitäten Montags beschäftigt waren. Zwar erlebten wir etwas mehr Einritte von Berufsreisen-
den, aber nach wenigen Jahrungen kehrte man auf den Freitag Abend zurück.
Jene Periode war jedoch mit herrlichen Festen im großen Saal des Klubs gesegnet, wo liebe Freunde
aus Nachbar­reychen und von weither oft mit großen Fähnlein einritten. Nicht zu vergessen sind
die großartigen Krystallinen, die wir für nahezu zehn Jahrungen am St. Lorenz-Strom auf Einladung
unseres ER Archi-Loop der hohen Elberfeldensis erleben durften.
Und dann musste der Deutsche Klub ein Jahr vor seinem 100. Bestehen schließen, und wir began-
nen wieder eine Zigeunerexistenz in Mietburgen. Einmal wurde uns eine Frist von 5 Tagen gesetzt,
jedoch schon 3 Tage später fanden wir unser Klavizimbel im Freien auf dem Parkplatz.
Hell strahlte die Sonne der Hoffnung auf ein Aufleben des Reyches, als uns der hiesige Athletic-
Klub erlaubte, in seinem Souterrain eine eigene Burg zu erbauen. Drei der treuesten Sassen gingen
mit unverwüstlichem Optimismus an die Arbeit, und nach drei Monaten von intensivem Zimmern
und Nageln und Kabelziehen fand eine feierliche Burgweihe statt. Leider waren die Erwartungen
zu hoch gesteckt, denn der einzige Oberschlaraffe auf dem vereinsamten Thron - bedingt durch
die schrumpfende Sassenzahl - war zwar erfolgreich, neue Interessenten einzuführen, doch keiner
blieb „kleben”, denn es gelang ihm ach so furchtbar selten, den güldenen Ball ins Rollen zu bringen.
Auch sank das Niveau der Sippungen stetig ab, da die meisten der Jungritter nicht mehr die notwen-
dige Vorbildung besaßen, erinnerungswürdige Beiträge zu leisten.
Ein Blinder konnte sehen, dass es dem Ende zuging, doch hielten wir solange aus, bis die Sas-
senschaft einstimmig für die Auflösung war. Sieben Jahre hatte uns die schöne und einladende
Burg den Mut gegeben, ein Uhunest zu erhalten, bis es nicht mehr ging. Mit hängenden Köpfen
beendeten wir die letzte Sippung des einst so stolzen Reyches Syrac­UHUsa am 21.4. a.U. 147 nach
47 Jahrungen im Zeichen unseres geliebten Uhus. Dem Chronisten war es vergönnt, 45 davon ein-
schließlich der Sanktionsfeier mitzuerleben.
Doch nun wollen wir mit ungebrochenem Mut als Fahrende anderer Reyche mithelfen, unseren
Bruderbund zu erhalten unter dem Motto: „Und bis zum letzten Atemzug.”
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
Quelle: Chronik Band IV, S. 429-430