Reych Nr. 50

Kafka, Franz

Unbekannt ·J-L

Beschreibung

Kafka, Franz
Titel: K
Reych: Nr. 50 Assindia (Essen), erk. a.U. 155
Geb.: 03.07.1883 in Prag
Gest.: 03.06.1924 in Klosterneuburg-Kierling

Volltext

österreich-ungarischer Schriftsteller Was ist der Grund, trotz der großen Anzahl von fast 600 Ehrenschlaraffen, noch einen neuen Ehrenschlaraffen zu erküren? Und eignet sich Kafka, der Dichter rätselhafter und bisweilen erschreckender Visionen, als Ehrenschlaraffe? Da es bei unseren Bemühungen um die Kunst in besonderem Maße auch um die Pflege der deutschen Sprache und Literatur geht, sollte Franz Kafka heute als einer der ganz Großen der Literatur nicht fehlen. Hermann Hesse (ES Magister Ludi) nannte Kafka bereits 1925 einen „heimlichen Meister und König der deutschen Sprache“. Aber Kafka war damals kaum bekannt. Weltruhm erlangte Kafkas Werk erst nach 1945. Während der uhufinsteren Zeit stand Kafka auf der Liste der verbotenen Autoren. Erst allmählich wurde Kafkas Bedeutung in den USA und in Deutschland erkannt; und heute ist Kafka Schullektüre und gehört zu den meistgelesenen Autoren überhaupt. Kafka ist nicht nur ein „Meister der deutschen Sprache“, sondern hat auch in gespenstisch hellseherischer Art die Entwicklung zur Vereinsamung des Menschen beschrieben. Seine Sicht gründet nicht auf dem Lebensgefühl seiner Zeit, sondern er schafft eine eigene Welt mit eigenen Gesetzen, deren Unvergleichlichkeit man mit dem Begriff des „Kafkaesken” zu umschreiben versucht. Der Literatur-Nobelpreisträger Elias Canetti bezeichnet Kafka schon deshalb als einen großen Dichter, weil er „unser Jahrhundert am reinsten ausgedrückt hat“. Kafkas visionäre Sicht ist auf vielfältige Weise Wirklichkeit geworden: in absurden Schauprozessen, in dem Verhalten der immer mächtigeren Verwaltung, in dem Gefühl der Ohnmacht des Einzelnen, in der menschenfeindlichen Arbeitswelt oder auch der Unterhaltungsbranche. Wenn das Reych Assindia für Kafka als Ehrenschlaraffen Namen nur einen Buchstaben, das „K“ gewählt hat, so wird nicht nur der Literaturkenner sehr schnell wissen, welcher Dichter gemeint ist. Sind doch die Protagonisten in Kafkas „Schloss“ der „Landvermesser „K“ und in Kafkas „Prozess“ der „Angeklagte Josef K.“ So wie der Landvermesser K. keinen Zugang zu den maßgeblichen Stellen der Schlossverwaltung und der Angeklagte Josef K. niemals die Anklageschrift erhält, so bleibt auch Kafka in seinem Leben ausgegrenzt von privaten Glück und beruflichem Erfolg. Den Druck seiner Werke hat er jedoch oft selbst verhindert und viele Texte vernichtet durch seine uns übertrieben anmutende Selbstkritik. Zum Glück hat sich Max Brod als Nachlassverwalter nicht an Kafkas Anweisung gehalten, viele Erzählungen zu vernichten, Texte, die heute zu den geschätzten Meisterwerken deutscher Literatur zählen. Max Brod sorgte auch dafür, dass viele Schriften von Kafka posthum veröffentlicht wurden. Auch wenn uns Kafka oft mit seinen kompromisslosen Phantasien weh tut, so finden wir doch in den extremen Satiren des Ehrenschlaraffen „K” auch viel Humor. Der ist in der Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“ durch die großartige Darstellung des Schauspielers Klaus Kammer als dozierender Affe vielen im Gedächtnis geblieben. Auch die letzte Erzählung des todkranken ES K „Josefine oder Das Volk der Mäuse“ beschreibt die Beziehung vom Publikum zum Star auf eine genial satirischhumorvolle Art. Die poetische Meisterschaft des ES „K” kommt in der Erzählung „Auf der Galerie“ zur Geltung, die auch unter Kafkas Gedichte eingereiht wird, und die den Gegensatz schildert von der extrem harten Arbeit der Künstler und der traumhaften Wirkung auf das Geboren wurde der ES „K” in Prag im Jahre 1883 (dem Gründungsjahr der Assindia), und gehörte dort wie unsere Urschlaraffen zu der deutschsprachigen Minderheit. Beziehungen zu Schlaraffen sind uns nicht bekannt. Gestorben ist K. im Alter von 40 Jahren bei Kierling bei Klosterneuburg. Da „K” in Deutsch schrieb, blieb er seinem Heimatland zunächst fast unbekannt. Auch nach dem Krieg und dem Verbot wurde „K” in der Tschechoslowakei von der Partei nicht sogleich rehabilitiert, sondern als „dekadent“ eingestuft. Nach dem Prager Frühling 1968 wurden Kafkas Werke sogar wieder verboten. Heute wird Kafka als der große Prager Dichter geschätzt, zumal viele Besucher Prag in erster Linie mit Kafka in Verbindung bringen. So gibt es Städtereisen nach Prag zur Besichtigung seiner Lebensstätten. So ließe sich das Ziel der Schlaraffen, durch einen Besuch Prags mehr über die Gründung unseres Bundes zu erfahren (siehe „Neues aus Prag“, Schlaraffia Zeyttungen vom Christmond.154) mit einer solchen Literaturreise verbinden, um auch mehr über unsern neuen Ehrenschlaraffen zu erfahren. Das Reych Assindia, das sich künftig um die besondere Pflege von Kafkas Werk bemühen wird, freut sich über alle, die uns mit Vorträgen und Fechsungen hierbei helfen. (Text (gekürzt): Rt. Igall (50), DSZ 02/155)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt