Reych Nr. 55

Raabe, Wilhelm Karl

Unbekannt ·P-R

Beschreibung

Raabe, Wilhelm Karl
Titel: Hagebuchter
Reych: Nr. 55 Brunsviga (Braunschweig)
Geb.: 08.09.1831 in Eschershausen
Gest.: 15.11.1910 in Braunschweig

Volltext

deutscher Erzähler Schon im Hause des Vaters, der Kreisbeamter in Eschershausen war, wurde bei Raabe die Liebe zum Buch und zur Dichtung geweckt, die sich während seines Aufenthaltes in Magdeburg (1849-53), wo er den Beruf des Buchhändlers erlernte, noch steigerte. Hier legte er den Grundstein zu seinen umfassenden geschichtlichen und literarischen Kenntnissen. 1854 besuchte er kurz die Berliner Hochschule und lernte auf Reisen Dresden, Leipzig, die Rheinlande, auch Prag und Wien kennen. 1856 kehrte er nach Wolfenbüttel zurück, wo 7 größere Werke, 10 Erzählungen und 1 Band Gedichte entstanden, wie z.B. „Die Chronik der Sperlingsgasse", „Die Kinder von Finkenrode", „Der Heilige Born" und „Nach dem großen Kriege". Raabes künstlerisches Streben zielte nach seinen eigenen Worten danach, „überall und immer die Unverwüstlichkeit der Welt und des Menschendaseins" zur Darstellung zu bringen. Eine Beziehung zum Leben also, die aber nicht einem billigen Optimismus entspringt, sondern ganz den Zwiespalt von Mensch und Welt kennt und aus leiderfahrener Tiefe kommt. 1862 zog er nach Stuttgart, wo er acht glückliche Jahre verbrachte und seine bedeutendsten Werke schrieb: „Verworrenes Leben" (5 historische Novellen), „Unseres Herrgotts Kanzlei", „Die Leute aus dem Waide", „Ferne Stimmen" (4 Erzählungen). Alle diese Werke sind farbige Lebens- und Zeitbilder aus deutscher Vergangenheit und damaliger Zeit, Stoff und Handlung romantisch und idyllisch. Unter dem Einfluss der politischen Verhältnisse in Deutschland, dem Werden des deutschen Staates unter Bismarck und der Beschäftigung mit Schopenhauer vollzog sich seit 1865 eine Wandlung in seinem „Der Hungerpastor" (3 Bände), „Abu Telfan oder die Heimkehr vom Mondgebirge" und „Schüdderump" (3 Bände), oft als Trilogie bezeichnet, sind wohl seine bedeutendsten Romane. Es folgten, um nur einige zu nennen, „Drei Federn", „Horacker“, „Zum wilden Mann", „Stopfkuchen“, „Die Akten des Vogelsangs" und viele andere, in denen teilnahmsvoller Ernst mit Humor und verschmitzter Ironie abwechselt. Erst in den neunziger Jahren begann man seine ganze Größe zu erkennen. Ihm zu Ehren wurden auf dem „Großen Sohl" bei Eschershausen, in Holzminden und in Braunschweig Denkmäler errichtet. Gesammelte Werke von Wilhelm Raabe erschienen 1913-16 in 18 Bänden. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt