Beschreibung
Stoltze, Friedrich
Titel: Daviddche mit de Kapp
Reych: Nr. 76 Francofurta (Frankfurt)
Geb.: 21.11.1816 in Frankfurt
Gest.: 28.03.1891 ebenda
Volltext
deutscher Schriftsteller und Dichter Friedrich Stoltze konnte es wagen als Volksdichter seiner Heimatstadt in heiterer Selbstironie eine Art Nationalhymne zu schenken: „Es is kaa Stadt uff der weite Welt, Die mer so wie mei Frankfort gefallt, Un es will mer net in mein Kopp enei, Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!" ES Daviddche mit de Kapp war ein Sohn der Stadt Frankfurt a. Main und sein Schicksal ist eng verknüpft mit ihr und den Perioden der Stürme und der Idyllen. Er entstammt dem ältesten Frankfurt, wie es sich bis ins 19. Jahrhundert erhalten hat. Der „Hof zum Rebstock", in dessen Mitte sich das schon im Jahre 1632 als Gasthof betriebene Giebelhaus erhob, war einer dieser Höfe, die für die Anlage des ältesten Frankfurt so charakteristisch sind. Der „Rebstock" gehörte einst dem Geschlecht der Weißen von Limburg, einem Zweig der Familie „Vom Rebstock". Als der Vater des Dichters den Gasthof übernahm, hatte das Anwesen dem „Deutschen Orden" gehört. Vater Stoltze war bemüht, den Übermut des Sohnes zu zügeln und legte Wert darauf, dass Fritz eine kaufmännische Lehre erhielt. Mit einigem Widerwillen machte er diese Lehre durch und war anschließend in Lyon in einem deutschen Seidengeschäft tätig. 1840 kehrte er zurück und sollte seine Fähigkeit als Erzieher in Blankenburg/Thüringen erproben. Nachdem dieser Versuch zum Scheitern verurteilt war, wurde er im April 1849 zunächst Mitarbeiter des Hadermacher „Volksfreund". Von 1852 an erschienen Zeitungen in zwangloser Folge und er hatte die Lacher auf seiner Seite, wenn mit viel Witz und Ironie die „Krebbelzeitung“ in Frankfurt erschien. Die politisch bewegten 30er Jahre mit dem Herbstkrawall, dem Durchzug der Polenflüchtlinge und dem Wachesturm haben den jungen Stoltze unvergesslich tief geprägt. Für den Freiheitskämpfer kamen aber auch Enttäuschungen und Zusammenbrüche vieler hochgespannter Hoffnungen. Sie sind mit den Ereignissen des Jahres 1866 und dem Wunsche nach einem großdeutschen Vaterland verknüpft. Frankfurt verlor seine Selbständigkeit. Stoltze musste fliehen, über Stuttgart in die Schweiz, und musste seine Heimat solange meiden, bis die Rückkehr nach einer allgemeinen Amnestie möglich wurde. Sein humoristisch-satirisches Wochenblatt „Frankfurter Latern" konnte 1872 wieder erscheinen. Zeit seines Lebens bekannte er sich zu einer sauberen moralischen Haltung, für die es nur ein Entweder-Oder gab. Der alternde und durch Krankheit oft recht wehmütig gewordene Dichter hat gelegentlich geäußert: „Man wird mich bald vergessen haben!". Dann hat er sich wohl geirrt, denn sein Werk lebt heute noch und wird weiter leben. Das kleine Turmmuseum in der Nähe der Katharinenkirche wird die Erinnerung an Friedrich Stoltze für alle Zeiten wach halten. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt