Reych Nr. 121

Niebergall, Ernst Elias

Unbekannt ·M-O

Beschreibung

Niebergall, Ernst Elias (auch Streff, Elias)
Titel: Datterich
Reych: Nr. 121 Tarimundis (Darmstadt)
Geb.: 13.01.1815 in Darmstadt
Gest.: 19.04.1843 ebenda

Volltext

deutscher Dichter Niebergall war der Sohn eines großherzoglichen Kammermusikers. Trotz beengter Verhältnisse und des frühen Todes der Eltern erhielt er eine gute Ausbildung. Nach dem Besuch einer Privatschule und des Gymnasiums bezog er 1832 die Hessische Landesuniversität Gießen. Er studierte Theologie. Zu seinen Freunden zählten Karl Vogl und Georg Büchner. Wie sie, wurde auch er aktiver Burschenschafter, wodurch er in eine Untersuchung wegen politischer Betätigung und Übertretung des Verbindungsverbots geriet. Das Verfahren endete mit Freispruch. 1835 nahm er eine Hauslehrerstelle in Dieburg an, 1840 wurde er Lehrer für Latein, Griechisch und Geschichte an einem privaten „Knabeninstitut“ in Darmstadt. Dort starb er 28jährig im April 1843. In seiner Hauslehrerzeit begann er Erzählungen zu schreiben, die in „Didaskalia", der Beilage zum „Frankfurter Journal" erschienen. Diese Arbeiten im Geschmack der Zeit sind leider vergessen. Niebergalls lokaler, nach der Jahrhundertwende auch weiter ausgebreiteter Nachruhm gründet sich auf seine beiden Lustspiele in Darmstädter Mundart. Das frühere „Des Burschen Heimkehr, oder Der tolle Hund", ein Stück um einen verbummelten Studenten, erschien 1837, wie alle übrigen Werke auch, unter Pseudonym „E." oder ,,Elias Streff". 1841 folgte sein zweites und letztes berühmtes Lustspiel der „Datterich“, benannt nach seiner Hauptfigur, einem Schnorrer und Wirtshauslumpen, einem enfant terrible in der Welt der Kleinbürger und Handwerker. Die Fabel des Stückes ist eher belanglos, sein Rang und Reiz beruhen auf realistischer Milieuschilderung, Sprachkomik und genauer Charakterisierung der Personen. Seine sozialkritischen Tendenzen fielen dem Zensor zum Opfer, wodurch das Stück um seine glänzendsten Partien gekommen ist. Die erste nachweisbare Aufführung fand 1862 in Darmstadt statt. Die hessische Spielgemeinschaft, integrierter Bestandteil des Staatstheaters Darmstadt, bringt den „Datterich“ seit 50 Jahren zur Aufführung. Die Mitglieder der Spielgemeinschaft sind Laien, darunter der Mitbegründer Rt. Rezi-Datterich des Reyches Tarimundis. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt