Beschreibung
Defregger, Franz v. Prof.
Titel: Sandwirt-Franzl
Reych: Nr. 30 Oenipontana (Innsbruck)
Geb.: 30.04.1835 in Ederhof
Gest.: 02.01.1921 in München
Volltext
österreichischer Maler Defregger war der Sohn eines Bauern. 1858 nach dem Tode seines Vaters verkaufte er das väterliche Anwesen, um nach Amerika auszuwandern. Die Idee wurde aber nicht ausgeführt und so fing er bei dem Bildhauer Stolz in Innsbruck die Lehre an. Da er aber mehr Talent zum Malen zeigte, ging er nach München an die Kunstakademie, wo er unter Anschütz studierte. 1863-65 machte er Studien in Paris, ohne aber von der neuen Stilrichtung beeinflusst zu werden. 1867 wurde er Schüler des berühmten Geschichtsmalers Piloty. Von 1878 bis 1910 war er als Professor an der Akademie in München tätig. Er hatte großen Erfolg mit seinen Genrebildern aus dem Leben der Tiroler Bauern und wurde schlechthin in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts der populärste Maler in München. Er gehört mit Knaus und Vautier zu den bedeutendsten Vertretern der zu seiner Zeit so beliebten Genremalerei. Schon mit seinen ersten Bildern erregte er Aufsehen in der internationalen Ausstellung in Wien und München. Er malte frisch und unbefangen und seine Werke waren künstlerisch von hohem Rang. Seine späteren Arbeiten waren des öfteren Routine. Ebenso beliebt waren seine Szenen aus der Geschichte Tirols. Die frische Darstellung wurde als befreiend gegenüber dem pylotischen Pathos seines Lehrers angesehen. Seine Hauptwerke sind: Das Tischgebet, 1875, Der Salontiroler, 1882, Letztes Aufgebot, 1874, Speckbacher und sein Sohn, 1869, Andreas Hofers letzter Gang, 1878, Der Schmied von Kochel, 1882, Selbstbildnis, 1888. In der Kirche von Stronach malte er die „Heilige Familie" sowie „Madonna in den Wolken". Über ES Sandwirt-Franzl gibt es eine nette Anekdote: Der Tiroler Bauernmaler Franz von Defregger entdeckte auf einer Wanderung ein malerisch hübsch gelegenes Bauerngehöft. Gleich begann er es zu zeichnen. Nach einer Weile benötigte er einen Radiergummi, hatte aber keinen dabei. Da entsann er sich, dass ein Stück Brot die gleichen Dienste verrichtete. So ging er zu dem Gehöft und bat die Bäuein um ein Stück trockenes Brot. „Sunst nix", fragte die Bäuerin erstaunt. Defregger verneinte und bedankte sich schon im Voraus. Nach kurzer Zeit kam die Bäuein wieder aus dem Haus und brachte dem Maler ein dick gestrichenes und mit Wurst belegtes Brot und dazu einen großen Becher Milch. Zu seinem Erstaunen sagte sie: „Weil Sie so artig und bescheiden san, net so wie sonst die Leut aus der Stadt und weil Sie bloß a kloans Stickl Brot g'wollt hab'n, drum kriegens a extra guats Ess'n!" (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt