Das 1. Ceremoniell 1868

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Das erste offizielle Zeremoniell der Schlaraffia

Volltext

der Lipsia ("Huppe! di Hax" nahm bald ein Engagement nach Moskau, später
nach Amsterdam an). Die "Lipsia" konnte sich rühmen, in der Chronica
allschL als "dritter helleuchtender Edelstein in Allschlaraffias Krone" gefeiert
zu werden, denn bald scharte sich um die prominenten Gründer eine ganze
Anzahl weiterer geistig und künstlerisch hochstehender Mannen, so daß die
Lipsia rasch zu einer schlaraffischen Hochburg emporwuchs. Aus der Antritts­
rede "KurelIas" sei, um das Eigenstreben und ~leben der jungen Lipsia aufztI­
zeigen, folgendes wiedergegeben:
"Die Schlaraffen wollen im Grunde genommen alles Zopftum und gravitätisches
Philisterwesen ironisieren, weshalb Gravität, Zopf und harmlos närrische Mystik von
ihnen eifrigst gepflegt werden. Sie vertreten di!s Rittertum als Don Quischotte's (!)
und ihr Orden ist nach ritterlichen und hierarchisch feudalen Gesetzen auf der
Grundlage größter Selbstverwaltung eingerichtet. . .. Ihre eigentlichen Häupter ...
sind der Uhu, der Repräsentant der mächtigen Freude, der in figura verehrt wird,
und der Aha, der große, ehrwürdige Pokal, das Symbol der reinen Lust, der bel
feierlichem Anlaß unter mystischen Ceremonien geleert wird .... Wie jeder, der das
Sdllaraffenland erreichen wilL sich durch ein Hirsebreigebirge zu fressen hat, so hat
der ,. Neophyt ", d. h. der "Pilger", der sich zur Aufnahme in die Schlaraffia meldet,
das Gebirge der eleusinischen Geheimnisse Uhus zu verdauen, ehe er als Junker
SchIaraHendienste tun darf. ... Zur Sippung legen alle "Reichsbiirger" ihre Ordens­
tracht an und der OberschlaraHe bestimmt den Gang der Sitzung, indem er an Offen­
barungen leidet .... Selbstverständlich ist es, daß die Institutionen wie die Mysterie"1
des Schlaraffenstaates profanen Menschenkindern ein absolutes "Geheimnis" bleiben
und die Schlaraffen durch den großen "Uhu-Eid" Versdnviegenheit hierüber geloben."
Das ist Berliner Schule und "Platoscher Geist"! Doch überlassen wir das
Weitere dem "Reychsberichte" des Reyches Lipsia selbst.
So wurde das Jahr
1572 zu einem Markstein in der Geschichte Schlaraffias r
Der 4. Januar 1573 brachte in der Praga die Wahl der Oberschlaraffen
"R a ps", "H u t t e n" und "T a n n h ä u s ern. Aber am 11. Januar finden
wir den Eintrag: "Hutten sieht sich veranlaßt, aus der Schlaraffia auszu­
scheiden." Was die Veranlassung dazu bot. blieb verschwiegen. "Hutten" war
ein außerordentlich befähigter, begeisterter und ungemein fleißiger Schlaraffe,
der aber des öfteren aus einer Art Selbstgefälligkeit und Selbstherrlichkeit sich
daneben benahm und sich auch Eigenmächtigkeiten erlaubte, was ja auch in
späteren Jahren für ihn üble Folgen zeitigte. Anzunehmen ist wohl, daß er als
Oberschlaraffe am 11. April aus der Rolle gefallen ist und sich die Mißbilligung
des Reyches zuzog. (Am<;. Dezember 1574, 11m Stiftungsfeste, taucht er wieder
auf. Die urkundliche Nl1chricht lautet: "Großes geistiges Turnier. Bei demselben
werden mit dem 1. Preis gekrönt: R. "U. v. Hutten" für Poesie, R. "Holbein"
für bildende Kunst. ") Die J ahrung zeichnete sich besonders aus durch eine
Vielzl1hl von Heroen-Feiern, so im Januar die Mozart~, die Schubert-Feier;
S eh u b e r t wird dabei "feierlich zum ,R. E r [ k ö n i g' geschlagen"
im
Februar die Me n deI S 0 h n - Feier; er wurde durch den "Ritterschlag" der
R. "P a u [ uso h 11 e Wo r t e" -
dann die Lessing-Feier
im März die
H a y d n - Feier mit dem "Ritterschlag" und dem Ritter-Namen ,,5 eh ö p f er
cl e r Kai s e r s i TI ger" -
im November folgte die "Funke" -Feier und im
Dezember die "Florestl1n" -Feier. Geweiht wurden die Büsten für R. R.
"F I 0 res t a n" (Beethoven), "D 0 n J u a 11" (Mozart), "P a u 1 u s" (Mendel~
-- 123-­
sohn), "E r I k ö n i g" (Schubert) und "A d 0 I a r
U (Weber). Der März ver­
zeichnet wieder einen Damenabend im Convict-Saal. Der feierliche Ritterschlag
fand am 4. April statt mit Abschiedsfeier und Einbalsamierung des Ritters
"Thorane". "Bildung des Spectrums C?) aus den Rittern der krystallisierten
Tafelrunde" .
Der 12. April ergab die Wahl der Oberschiaraffen "R a ps", "T a n n­
h ä u s e r" und "S eh me r zen r eie h". "R a p s" wird zum Erb - 0 b er ­
s chI ara f f e n erwählt.
Ubrigens ging in jenen Tagen so etwas wie ein schlechter Aprilscherz durdl
die schlaraffische Welt, nämlich die Kunde vom Ahallaritt des "Großen
Gleichen". Am 19. April begeht deshalb die Praga seine "feierliche Auferstehung
vom Tode". In der Neustädter Burg wurde dann am 2. Juni eine außerordem:­
liche Festsippung zu Ehren des anwesenden Ur- und Erb-Oberschlaraffen "M a­
ger" (Kapellmeister und Direktor der Wiener Hofoper) veranstaltet. Die
Reihe der Festveranstaltungen beschließen am 2,. Oktober das "Stiftungsfest"
und am 27. Dezember die "Christbaumfeier" . An Schenkungen usw. wären
noch zu vermelden von Reychsbiirger Hugenin ein Band "Erinnerungen an
Schlaraffia" (I?), von R. Blüthner sämtliche vierstimmigen Gesänge Mcndel­
sohns, und Reychsbürger Schwarz überreicht dem Reyche den "Berliner Ehren­
helm".
Nodl einen besonderen Höhepunkt brachte gegen Ende der Jahrung, am
12. November, die Kunde von der am 13. des Lethemondes erfolgten G r ü n ­
dun g des R e y ehe s G r a z i aals T 0 c h t erd erB e r 0 1 i n a. Aber
der Geburt scheinen schwere Wehen vorangegangen zu sein. Der Grazer
Chronist berichtet darüber:
"Am Ende des Uranfanges war bekanntlich Nichts und die zur Schlaraffenbildung
geeigneten Atome tanzten planlos durcheinander, und ein Ritter "Paris", der später
unsterblich geworden, bemühte sich vergeblich, den eigentlichen Ursprung der
Sdllaraffen zu enträthseln. Mythe ist und bleibt alles, wenn auch der Gründungstag
auf den 13. des Lethemonds verlegt, resp. angenommen wird, gegenüber der urkund­
lich festgestellten Thatsache, daß am 30. des Lethemonds sich 14 wackere Recken
zusammengesellten lind das neue Reich gründeten .... In jener Zeit bestand noch
kein Schlaraffenspiegel und die Herrlidlkeiten regierten nach der Eingebung des
Uhus. Aber das Regieren war nicht so leicht, denn die Reichsinsassen gebnrdeten sich
als schwer zu bändigende Recken. Enthauptungen nach vorhergegangenen Folterungen
waren an der Tagesordnung und der Henker eine vielbeschäftigte Persönlid1keit b'~i
dieser drakonischen Anwendung der selbst gegebenen Gesetze. Auch sonst machten
die Red<en die Umgebung unsicher, so daß der Kellerwart wiederholt bei den Here­
lichkeiten, die aber sdbander nicht besser waren als die
Sassen, Beschwerde
führte, daß seine profanen Gäste nicht schlafen könnten, als ob nur die Nacht zum
Schlafen wäre. So mußten die Schlaraffengesänge eingestellt werden."
Die neue Jahrung 1$74 beginnt am 10. des Eismonds mit einem in Schlaraffia
einmaligen Ereignis. Urkundlich hei~t es:
"A b 5 chI u ß ein e s
S c hut z -
tl 11 d
T r u tz b ü n d n iss e s zu
Wasser und zu Lande mit dem fränkischen Ritterbund
a n der P e g n i t z i n N ü r n b erg."
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Dazu ist zu sagen, daß die "P e g n i tz R i t t e r" schon vorher Be­
ziehungen mit der "Berolina" und der
angeknüpft hatten und Send­
boten her- und hinliefen.
Es sdH~int eine bedeutende Sitzung gewesen zu sein, und auf die Anwesen­
heit von
kann geschlossen werden; denn es heißt ebenfalls
urkundlich: "Im Anschluß an die krystall. Sippung vom 10. Januar: denk­
um 3 Uhr nachts eröffnet mit Protokoll, Vorträgen etc."
Wie vorn schon mitgeteilt, waren die "Ritter an der Pegnitz" ein starker, hoc.~­
angesehener Ritterbund, dem der R. "P 1a tom i t dem Bur g z in k e n",
Mitgründer der Monachia und Vindobona
Direktor des Residenztheaters
in BerUn, Rkh. Alexander) in den Jahren 1876 bis 1879
Was
nun die eigentliche Absicht dieses "Schutz- und Trutzbündnisses zu Wasser
und zu Lande" gewesen, ist leider nicht festzustellen. Jedenfalls ist
von Beziehungen zwischen beiden Bünden keine Rede mehr. ­
Am 21. Februar wird von "eil1(,:11
Fest zu Ehren des Erb-Ober­
schlaraffen ,Raps' " berichtet.
Die S ti f tun gd e s "U r s i p P e 11 0 r den s" erfolgte am 6. März; feier­
lich wurde der 70jährige R. "Narrot" zum e

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 138-164