Schlaraffia Helvetica während der Uhufinsternis

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Die Schweizer Reyche während der großen Uhufinsternis

Volltext

Central
Hyp
Fichte
auf dem Concil zu Posonium a. u. 79
nächsten Conciles hindurchzusteuern, dann war dies nicht nur der einsichtigen
Haltung aller besonnenen Schlaraffen, vielmehr ganz besonders der umsich­
tigen, tatkräftigen Führung Sr. Hkt. Hyp und seiner engsten Mitarbeiter zu
danken. Aber auf die Dauer konnte auch die größte allmütterliche Fürsorge
nicht verhindern, daß die Zerfallserscheinungen immer weiter um sich griffen.
Unbelehrt durch das traurige Schicksal des Bundes Deutsche Schlaraffia, der
sid1 allen Loyalitätsbeteuerungen zum Trotz am 21. des Hornung a. u. 78
(1937) endgültig auflösen mußte, hat die Mehrzahl der österreichischen Reyche
geglaubt, sich von Allmutter abwenden zu müssen, um weiterhin bestehen zu
können. Diese separatistischen Bestrebungen, die unter dem übermächtigen
äußeren Druck zustande kamen, waren zwar auf gänzlich frei erfundenen po­
litischen Vorwänden aufgebaut, führten daher auch zu Spaltungen innerhalb
der eigenen Reyche, da nicht alle Sassen" von dieser Notwendigkeit überzeugt
und die Tradition ihrer Reyche fortzusetzen gewillt waren. Weil aber die sug­
gestive Kraft der Umwelteinflüsse mit der Zeit auch viele Sci1laraffen in ihren
Bann zog, die es mit ihrem Schlaraffenturn ehrlich meinten, kam es, daß noch
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im Verlaufe der Jahrung 77/78 (1936/37) die Großzahl der österreichischen
Reyche aus dem Verband Allschlaraffias ausschied.
Bei der Fülle der sich in den letzten Monden geradezu überstürzenden Ereig­
nisse und veranlaßt durch die schwere Last der Verantwortung, die seit Jahren
drückend auf ihren Schultern
berief All mut t e r Pr aga für die Tage
des 26. bis 29. Wonnemonds a. u. 79 (1938) das
XIII. A I I s chi ara f fis ehe C 0 n eil z u Pos 0 n i u m
ein. An demselben nahmen von dem im Verbande Allschlaraffia verbliebenen
64 Reychen 52 teil. Den Vorsitz führte Eb. Hkt. Hyp, Referent war Kantzelar
Somitzl. Die zwei großen Aufgaben, die dieses Concil zu lösen hatte, beruhten
in der Vorsorge für die Erhaltung der Allschlaraffia im allgemeinen und für die
einzelnen Reyche im besonderen; dies speziell dort, wo deren Weiterbestand
gefährdet schien.
Das Concil suchte dieses Ziel durch Abänderung der Statuten des Verbandes
Allschlaraffia sowie durch jene Spiegeländerungen zu erreichen, die im "Po­
sonium-Spiegel" niedergelegt sind und die Grundlage für die Neuformierung
Allschlaraffias bildeten. Der geschichtlichen Ordnung halber sei hier noch nach­
getragen, daß während der abgelaufenen ConciIsperiode allen Abfallsbewe­
gungen zum Trotz nachstehende Reyche neu erstanden waren:
14.10.74 Begapolis, Petroograd 1933
1. 11. 76
Porta Kentuckia, louisville 1935
7.12.76 Im heyen Walde, FreiwaIdau 193)
Der beruhigend klingende Ausgang, den auch dieses CondI gefunden hatte,
hielt nicht lange an. In dem Maße, als sich die den schlaraffischen Bestre­
bungen zuwiderlaufende ausländische Propaganda der deutschen Bevölkerung
bemächtigte, wuchsen auch die
Spannungen in den einzelnen Rey­
chen ins Unerträgliche. Als dann
zu Beginn der Winterung nach über­
wundener Kriegsgefahr die
der CSR besetzt und damit die dort
noch befindlichen Schlaraffenreychc aufgelöst wurden, sah sich A 11 mut t er
P rag a mit den wenigen, im InnCrt'l1 des Landes nOQ~ verbliebenen Reychen
von der allschlaraffischen Umwelt vollkommen abgeschnitten. Hierzu kam noch,
daß ein Großteil der Sassen der verbliebenen Reyche dem besetzten Landesteil
entstammten und mit Rücksicht auf ihre neue Staatszugehörigkeit den dort
geltenden Bestimmungen unterworfen waren. Dasselbe galt auch hinsicht­
lich der aus Österreich stammenden Sassen, deren es nicht wenige gab. A 11­
mut t e r P rag a sah sich deshalb veranlaßt, die weitere Entwicklung abzu­
warten lind vorerst die Sippungen nicht wieder aufzunehmen. Der Allmutter­
rat tagte aber weiter und bemühte sich, Ordnung in das entstandene Chaos
:zu
Als man zu keiner befriedigenden Einigung gelangen k0l1l1te,
wurde
Beschluß gefaßt, die Vereinstätigkeit vorerst ruhen zu lassen und
einen allen Teilen genehmen Verwaltungsausschuß einzusetzen. Um dies zu
ermöglichen legte der gesamte Allmutterrat seine Würden proforma nieder
und übergab die Leitung diesem Verwaltungsausschuß, dessen
noch ehe greifbare Beschlüsse gefaßt werden konnten -
durch den Einmarsch
der deutschen Truppen in Prag beendet wurde.
Das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen wurde beschlagnahmt,
die Einrichtungen teilweise vernichtet, teils für Propagandazwecke ausge­
.schrotet.
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Der letzte Thron der "Praga" A-soo, Hyp, Goschelbauer, Central
z'fs­
Da andererseits auch die zu Posonium gefaßten Beschlüsse wegen Fort­
führung der Amtsgeschäfte Allschlaraffias, insbesondere wegen Wahl des neu­
gegründeten Allschlaraffenrates praktisch noch nicht wirksam geworden waren,
war Allschlaraffia damit aufgelöst und waren die einzelnen Reyche sich selbst
überlassen.
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Schlaraffia Amerika,
ein sicherer Port für das Weiterbestehen Schlaraffias
in der sogenannten uhufinsteren Zeit.
Im voraus sei zunächst gesagt: Eb-Hkt. Tex, Filadelfia, war als Legat der
amerikanischen Reyche am XIII. Allschlaraffischen Coneil a. u. 79 (1938) in
Posonium (preß burg) mit anwesend. Danach hatte er bei der Allmutter mit
dem Kantzler R. Schnitzl einen ernsten Gedankenaustausch über das Weiter­
bestehen Allschlaraffias.
Heimgekehrt ging es ihm dann um den festen Zusammenhalt und das Wohl­
ergehen der SchlaraHenreyche in Amerika, die nach dem tragischen Untergang
der Allmutter auf sich selbst angewiesen waren und vor der großen Aufgabe
standen, einen eigenen Landesverband zu gründen.
Um die Schwere der Durchführung dieses Vorhabens ermessen zu können,
muß man die großen, teils Riesen-Entfernungen von Reych zu Reych in
Amerika kennen. Diese sind eingeteilt in Ostreyche, Reyche des Mittelwestens,
der Erieachse (am Eriesee gelegen) und in westliche und südliche Reyche.
Das neue Reych Prima Canadensis in Edmonton liegt 3 200 km von Chicago
und 2 500 km von San Francisco. Das Feldlager in Mexiko City kann mit dem
Flugzeug von Philadelphia in etwa zehn Stunden erreicht werden; die Ent­
fernung ist 3 150 km, Die südamerikanischen Reyche liegen von New-York
S 000 bis S 700 km entfernt.
In Anbetracht solch gewaltiger Entfernungen ist es leicht zu verstehen, daß
schlaraffische Aus- und Einritte nicht wie in Europa zu den Alltäglichkeiten
gehören können; sie müssen in der Regel mit Geschäftsreisen oder Ferien ver­
bunden werden und sind dadurch und in Anbetracht der hohen Reisekosten
eine Seltenheit. -
Hervorgehoben muß allerdings werden, daß der Verkehr
zwischen den östlichen Reychen ein sehr lebhafter ist und daß deren Festlich­
keiten immer gut besucht sind. "Die Sassen der drei. Erie-Reyche sind sehr
reitlustig" und "die Bahngleise und Autostraßen zwischen Chicago und Mi!­
waukee leiden viel durch den schlaraffischen Verkehr!"
Im übrigen hat sich bezüglich der profanen Stellung und Unabhängigkeit
der einzelnen Sassen in den letzten Jahrzehnten eine große Änderung voll­
zogen. Früher war die Anzahl der Sassen, die ihr eigenes Geschäft oder eine
Ullabhängige Profession hatten, bzw. infolge hoher Stellung,~n weniger ge­
bunden waren, eine bedeutend größere. Die meisten der heutigen Sassen sind
in mehr oder minder abhängigen Stellungen. Diese unleugbare Tatsache hat
sich natürlich auch auf die Ausrittmöglichkeiten ausgewirkt.
Der gute schlaraffische Geist und die Begeisterung für die schlaraffischen
Ideale aber und das gute schlaraffische Niveau der Reyche sind dadurch nicht
beeinflußt worden, sondern erfreulicherweise erhalten geblieben.
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Eine besondere Eigenart ist die Zusammensetzung der Sassen. Da gibt es
Menschen aus aller Herren Länder: Deutsche, Österreicher, Irländer, Mexi­
kaner, Tschechen, Ukrainer, Russen und auch solche, bei denen ein Teil des
Elternpaares deutscher Abstammung und der andere Teil fremdsprachigen
Ursprungs war. Aber alle sind der deutschen Sprache mächtig. Nur kommt man
hin und wieder in einige Verlegenheit, z. B. wenn -
besonders bei Dialekt­
sippungen -
de

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 258-265