Wld. Recken der Grazia, deren Namen über die Grenzen des Landes
auch in der profanen Welt bekannt sind:
R
HeimgarteH der Burggeist, a. 11. 30 (1889) -
a. u. 59 (1918)
(Peter Rosegger, Schriftsteller)
R
Tact der SäHgerfeiHd, a. u. 37 (1896)
a. u. 47
(Joset Koch von Langentreu. Komponist)
R
Sclmech der Familiäre, a. 1.1. 24 (1883)
a. u. 38 (1897)
(Carl Morre. Schriftsteller, Mundartdichter)
R
Hauer V011 der
a. 11. 31 (1890) -
a. u. 66 (1925)
Brandstetter, Bildhauer)
R
Ferdl VOll Farbettfrol1. a. u. 48 (1907)
a. u. 97
(Ferdinand Pamberger, akadem. Maler)
Nr. 5 W RAT I S L A W I A
(Breslau)
gegründet 23. 9. i'I. U. 17 (1876)
r.
Der Chronist soll erlebte Vergangenheit ver#
knüpfen mit lebender Gegenwart und soll sich bei
der Darstellung der eigenen Stellungnahme
ent~
halten. Dem Chronisten der Wratislawia ist beides
unmöglich. Denn sein schlaraffisches Domizil liegt
weit hinter eisernen Vorhängen, überdeckt von
20 Lebensjahren voller Schmerz und Verwirrung.
Der Chronist teilt wehmütig mit jedem noch
lebenden Wratislawenritter die Überzeugung, nie
und
wieder wird es ein solch schönes Reych
wie die Wratislawia
es einst war.
11.
In "Der Schlaraffia Zeyttungen" Nr. 594 vom 16. des Eismonds a. u. 68
Cl 927) findet sich nicht nur ein Bild vom 50. Stiftungsfest der Wratislawia
und ein Bericht dazu, den R. Neuropoet (Dr. med. Max Serog) schrieb, sondern
audl eine Anzeige: "Jeder neu eintretende Schlaraffe hat die Pflicht, die
Chronika Allschlaraffiae zu erwerben. Preis 3 Bände 12 Mark ab Leipzig."
In der
daß dieser vernünftige Konzilsbeschluß noch oder wieder
lebt, wird für die Zeit bis etwa a. u. 50 (1909) Bezug auf diese Chronika
genommen.
Band 1 berichtet auf sechs großen Druckseiten über Wratislawias erste Jahre
von 1576 bis 1596; ferner ist die Gründung der Wratislawia und der Streit mit
dem Gründungsritter Aujust mit die I~alte Zel1e (Julius Gräffner) in der Chronik
ihrer Mutter Upsia ausführlich erwähnt. Schließlich findet sich die Wratislavia
rühmlich in den chronistischen Erwähnungen ihrer Gründungen: Bruna (davon
zwei Enkel), Colonia
(davon
neun Enkel und Scharen von
373
weiteren, illüstren Nachkommen), Amstelodamia (diese Linie scheint aus
gestorben), Turicensis; Lignicia I (davon ein Enkel), Strasseburga, Glogovia.
Es fällt auf, daß der Gründungsritter Aujust in der letzten allschlaraffischen
Stammrolle, in der er ruhmreich angeführt ist (a. u. 72/73 [1931/32]) zwar
Ehrenritter von 1., 2., 6., 7., 8., 10., 19., 35., 73., 87., 92., 147., 180.,233.,
238. ist, nicht aber vom Mutterreych 3, der Lipsia; erst die Herrlichkeiten
weiland Radzibrill (Diplomoptiker Adolf Heidrich) und nach ihm Tektovid
(Fritz Riedinger) trugen den Ehrenhelm des Mutterreyches.
III.
Der erste Weltkrieg hat das bis dahin ziemlich gemütliche Zusammenleben
der Nationen in Österreich-Ungarn und im Deutschen Reich zerstört, und aus
der Schlaraffia, soweit sie in der völkischen Gemengelage domizilierte, nicht
nur deutschsprechende, sondern auch deutsch empfindende Vereinigungen
gemacht. Breslau als größte grenznahe Stadt zwischen Berlin und Wien fühlte
sich als alter deutscher Vorposten im Spannungsfeld polnischer und tschechi
scher Ansprüche.
In der Wratislawia jener Nachkriegsjahre konnte von überspitztem Nationa
lismus keine Rede sein. Die 40 Reyche, die am 6. Windmond a. u. 67 (1926)
im großen Konzerthaussaal in Breslau das 50. Stiftungsfest feiern halfen,
waren überwiegend aus dem deutsch besiedelten Osten und dem Raum zwischen
Regismontana und Leopolis. Der ihren Oberschlaraffen, erst Aujust, dann
RadzibrilI, von der h. Allmutter verliehene Titel "Nu!1tius der Allmutter"
entsprach der Situation und der Strahlungs weite der Wratislawia.
IV.
In den Jahren vor 1933 gingen im europäischen Teil des Uhuversums
manche Spannungen innerhalb der Reyche um. Sie wurden in der Wratislawia
in den Schlaraffiaden und Kristallinen mit Ernst und Sorge besprochen: Um
gründungen wurden erwogen, Umbenennungen, Sperrparagraphen, und sogar
der Bestand der Allmutter selbst geriet in die Debatte. Die Allmutter hörte
die Reyche persönlich, oder ließ sie durch Nuntien zu Worte kommen, und es
gelang ihrer kraftvollen Diplomatie. die Wirrungen zu glätten. Aber sie waren
Zeichen der Zeit.
Die 1933 einsetzende profan-politische Entwicklung bedrohte den schlaraf
fischen Gedanken in Mitteleuropa und jeden einzelnen Sassen. Die Reyche im
reichsdeutschen Raum waren sich über den Ernst der
sehr bald im klaren.
Es mußte versucht werden, die Reyche am Leben zu erhalten unter welchen
Opfern auch immer.
So zeigte die kleine Stammrolle der Wratislawia a. u. 75/76 (1934/35) noch
33 Sassen, darunter sechs Fahrende, die sich aber öfter als je sehen ließen;
hinzu kamen drei Auswärtige, die sich seßhaft meldeten. Oberschlaraffen
waren Tektovid, Reimgold (Ernst PohI) und Klil1Jur (L. Küchle). Viele Sassen
waren ausgetreten oder blieben vorsorglich weg; aber was zusammengeblieben
war, war eine auf ihre Art"verschworene Gemeinschaft", und man sippte, bis
374
trotz aller Mühen die Schlaraffia in Deutschland sich auflösen mußte. Vorher
noch, a. u. 77 (1936), hatte das Reych im großen Saal des Hauptbahnhofs sein
60. Stiftungsfest feierlich und "mit großem Bahnhof" begangen. Es war ein so
gut gelungenes Fest, daß man trotz allem mit jungem Nachwuchs hätte rechnen
können, -
aber 1937 kam das endgültige Verbot.
Um Hkt. Tektovid scharte sich das Reych nach 1933, und um ihn gruppierte
sich nach 1937 der Stammtisch. Es war mehr als eine Geste, daß der Thron
sessel des Reyches in Tef,tovids Heimburg gestellt wurde, als die alte "F r i e
d e 11 s bur g" der Wratislawia aufgelöst werden mußte. Uhu weiß, welch
Symbolum es sein mag, daß Heimburg und Thron bei der heldenhaften Ver
teidigung der geliebten, schönen Stadt Breslau in Trümmer fielen.
Soweit die Wratislawenrecken infolge Verbots und nicht infolge freiwilligen
Austritts Reych und Burg verloren hatten, und stammtischmäßig beisammen
blieben, schrieb ihnen, soweit sie die Wiedererstehung Schlaraffias in Bundes
deutschland erlebten, der getreue Erbkantzellar Mahfwroni in die Pässe: "Er
war einer der letzten Getreuen." Unter diesen Getreuen müssen drei Namen
als Erz- und Urgetreue verzeichnet werden, Recken, die noch im Januar 1945,
als die Flucht schon durch Breslau ging, zu einem Abschiedsstammtisch zusam
menkamen: Tektovid, Maf,karoni und lu/e.
V.
Ein so großes, altes und exzeptionell zusammengesetztes Reych wie die
Wratislawia prägte sich selbst und seine Sassen natürlich zu besonderen For
men. Die Wratislawia hatte mehrere Gesetze, nach denen sie angetreten war
und die sie lebend entwickelt hatte:
Von ihren Gründern ward ihr ein hoher Anteil an geistiger Beweglichkeit
mitgegeben. Das gab dem Reych einerseits das Licht bedeutenden Reichtums
an Geist, Kunst, Humor und wirklich qualifizierter Freundschaft; es gab ihm
andrerseits den Schatten einer gewissen übergeistigten Feinheit, eines leichten
Überfordertseins der Sippungen -
was beides gelegentlich Gemütlichkeit und
urwüc.~dges Behagen ausschloß -, und es gab ihm ständige Nachwuchsschwie
rigkeiten. Selbstverständlich war ein solches Reych fern von Thronwanzereien;
es schloß sich "allgemeinen Meinungen" nicht rasch an und fiel auf Conzilen
durch originelle Beiträge auf.
Der Urchronist Drasal erwähnt, daß die Wratislawia nicht gern mehr als
hundert Sassen haben wollte, weil sonst der Kontakt leidet, auch wenn nur
60 Prozent kämen; dieses Prinzip wurde beibehalten. Die Wratislawia fand
das viele Gerede bei Begrüßungen, vor und nach Fexungen überflüssig. Die
Oberschlaraffen beschränkten sich aufs Sentenziöse oder, wenn ihnen nichts
einfieL aufs Herzlich-Höfliche. Sie fanden auch die vielen donnergewaltigen
Lulus und den überströmenden Segen an Orden und Ahnen verfehlt, weil Lob
und Dank ihren Wert durch Übertreibung verlieren. Das berichtet schon Drasal
aus den ersten 20 Jahren des Reyches, so wurde es bis zuletzt gehandhabt.
Drasal sagt auch, daß die Ritter nur immer erst den N a m e n bekamen, erst
später, wenn man sie
[… Fortsetzung im Originalband]