Kyborgia

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 27 — Kyborgia (Coburg). Geschichte aus Band I der Allschlaraffischen Chronik.

Volltext

Nr. 27 K Y BOR G I A
(Coburg)
gegründet 4. 2. a. U. 22 (1881), des Grafen Gleichen redlte Tochter
Die Kyborgia wurde nicht in Coburg, sondern in
dem 100 km entfernten Gotha gegründet. Ihre Ge­
Sdlidlte ist genau so eigenartig wie Graf Gleickel1S
Lebensgeschichte selber und ist nur verständlich,
wenn man die damaligen politischen Verhältnisse
in den Deutschen Duodezstaaten beachtet. Graf
Gleickel1 hatte sich während seiner 7jährigen Tätig­
keit als Bassist am Ständetheater zu Prag um die
Gliindung der Praga so verdient gemacht (die
ersten Schlaraftenlieder, Spiegel, Hausgesetz und Ceremonia! usw. verdanken
wir
daß der Abschied von Prag am 31. März 186<; für ihn und seine
Freunde recht bitter wurde. Als Opernsänger an das HerzogL Hoftheater nach
Coburg berufen, wollte ihn die Praga auch für die Zukunft an die Allmuttn
binden, weshalb man in Coburg symbolisch die Gesandtschaft auf Burgk Co
errichtete und Graf GleickeH zum Gesandten erkürte. Anfangs der 70er Jahre
vertrat er sogar als solcher alle westlichen Reyche, d. h. Deutschlands. Damit
war auch der Grundstein für ein neues Uhunest in Coburg gelegt. Gemeinsam
mit dem in Coburg 1866 gastierenden später auch seßhaft gewordenen R.
Graf TUorcme aus der
(der berühmte Schauspieler Friedrich Haase,
Intendant des Hoftheaters Coburg und Gotha war später auch Oberschiarafte
der Allmutter) gründeten sie bei dem Coburger Hoftheatermaler Brüdmer, der
für Bayreuth dIe Bühnenbilder schuf, "Die Stiftshütte". Über deren Zusam­
menkünfte wurde ein noch heute vorhandenes Protokollbuch geführt. Man
Schlaraftenlieder und nannte die Gäste Pilger, Graf Tlwral1e entzweite
aber mit dem
und verließ deshalb 1868 Coburg, so daß auch bei
dem steten Wechsel des Hoftheaterpersonals die Stiftshütte ein loses Gebilde
blieb. Nach einem Besuch des Stutgardia-Ritters !tüpfer! wurde der schlaraf­
fische Funken in Coburg zur lodernden Flamme und schon nadl wenigen Tagen
wurde am 4. Februar 1881 das Reych Kyborgia in Gotha aus der Taufe ge­
hoben. Mit deI nur scheinbar widerspruchsvollen Namensgebung hatte es
folgende Bewandtnis: Herzog Ernst 11. residierte abwechselnd in den zwei
Hauptstädten semes Landes, in Coburg und in Gotha. Das herzogliche Hof­
theater spielte deshalb abwechselnd vom 1. September bis 2. Januar in Coburg,
bis einschließlich Ostern in Gotha, dann wieder bis Ende lv1ai in Coburg, wo
die Künstler ihle ständigen Wohnungen hatten und sich auch als Coburger
sehr wohl fühlten.
Im Gasthaus "Rose" in Gotha kamen Graf GleickeH und seine fünf Kollegen
Hofschauspieler Conrad Bellosa (Löwl?uuerz), Konzertmeister Alexander Eich·
horn (Grips VOtl Wagalaweia), Hofschauspieler Leon Hess (LeoH der CUi,teser),
HofschauspielelOtto Purschian (PiYISck VOI1 Greiffenburg) und Hofschauspieler
Justus Richter (fust VO}! SckweiHid1el1) zu. dem Enschluß, ein Reych zu gründen,
gaben ihm deI! Namen Kyborgia und wählten die Pragafarben Blau-Geib als
Reychsfarben. Graf GleickeH. der Gesandte der Allmutter auf
Co, holte
sich schon in den nächsten Tagen die Sanktionierung des neuen Reyches bei der
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Chronii;
die at:ch postwendend ohne die Forderung eines Probejahres gegeben
wurde.
Am 15. F.::bruar 1881 tand die erste Sippung in Gotha in der "Rosenburg"
statt. Weite!c Künstler des Hoftheaters kamen hinzu, und zwar die Hof­
schauspieler -Nilhelm Gerbeck (Jörg Voti Babel1burg) und Emil von Brauck
(Muck der SäHerlil1g), Hofkapellmeister Emanuel Faltis (Morpueus VOH der
Alunterwelt). sowie Opernsänger Rudolf Beer (Sd1liel11al111 der Olympier).
Diese zehn Künstler (einschließlich Graf Gleidteft) wurden später von der
Allmutter Praga als Erzschlaraffen der Kyborgia bzw. Kyborgia-Gotha aner­
kannt.
Am 22. Februar 1881 wurde Graf GleicJlen OberschlaraHe der Kyborgia. Eine
iNache später wurden die ersten Helme getragen. Nachdem sich bald nadl der
Gründung auch Gathaer Bürger der "Kyborgia" angeschlossen hatten, erfolgte
am 14. März 1881 eine Umbenennung des Reyches in "Kyborgia-Gotaha" mit
dem Sitz in Coburg. Die ersten Knappen waren die beiden Söhne des Grafen
Gleidtel1, ebenfalls Opernsänger, und zwar Albert Eilers Knappe NI. 1 und
Franz Eilers Knappe Nr. 2.
Bevor nach den Osterfeiertagen 1881 das Hoftheater wieder nadl Coburg
übersiedelte, fand auf dem Seeberg, einem Ausflugsort bei Gotha. der erste
feyerliche Ritterschlag statt, bei dem Graf Gleidwl. also der Vater Albert
Eilers, seine beiden Söhne nach dem von ihm selbst vor 20 Jahren (1861) aus­
gearbeiteten Ceremonial zu Rittern schlug. Knappe Nr. 1 wurde R. n Gleidten
LI der Czaar", Knappe Nr. 2 wurde R. "GleicJlel1 III von der unergriindlidte;;
Tiefe". Der letztere. also Franz Eilers, war 1913 tvlitgründer und ErzschlaraHe
der Crefeldensis, wurde Graf und Fürst und war als großer Sänger in Statur
und Stimme seinem Vater namgeraten. Er war wie dieser Mitwirkender bei
den Bayreuther Festspielen. Im Vermächtnis an seinen Sohn Albert Eilers, dem
R. "Gleidren IV" der Crefeldensis. der also kein direkter Abkömmling und
Enkel des Grafen Gleidten ist, findet sich eine plausible Erklärung, warum
Graf GleicJlen zur Gründung der Kyborgia 16 Jahre brauchte. Er ging so in
seinem schweren Beruf am Hoftheater auf, daß er seine Kunst, seine Stimme
und seine Zeit über alle privaten Ambitionen setzte. Bestärkt wird diese An­
sicht durch die Tatsache, daß Graf Gleidlen auch in Damlstadt sich dem Hof­
theater des Großherzogs Ludwig 1. als Bassbuffo widmete und erst nach
13 Jahren (1894) die "Tarimundis" gründete.
Wenn nun das Hoftheater in Gotha
und die Sassen dort sippten,
waren die in Coburg zurückgebliebenen Recken aus der Bürgerschaft nicht
müßig, sondern sippten unter einer" Scheinregierung", die aber in allen Reychs­
angelegenheiten den "echten" Oberschlaraffen unterstanden. Schon ein Jahr
nach der Gründung, im Februar 1882. kam es zu einem Krach zwismen den
beiden Reychshälften, weil die in Gotha spielenden und sippenden Kyborgen
dortselbst auch das erste Stiftungsfest mit ihren Burgfrauen (auch die Familien
begleiteten die Theaterleute nach Gotha, wo sie schlecht und recht und sehr
unbequem untergebracht wurden) feiern wollten. Sie forderten zu diesem
Zweck den ganzen Reychssmatz von 117,23 Mark an. Die in Coburg Ver­
bliebenen weigerten sich. Da griff Graf Gleidten ein, trennte die bei den
Reydlsteile, gab den Coburgern 5'7,32 Mark. den Gothaern 60.- Mark. grün­
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dete das Reych Gotaha, holte sich die Genehmigung der Allmutter, die auch
am 7. April 1882 erteilt wurde. Das Reych Gotaha bekam die Nr. 28, löste
sich aber nach 13-jährigem Bestand wieder auf.
Kyborgia dagegen wuchs heran, sippte zuerst unter Hkt. Salaumnder in der
Burg "Kauffungen" , im Restaurant Kaufmann in der
34 in Coburg,
zog aber noch im gleichen Jahr in einen Gartenpavillon des
Traube" vor
dem mittelalterlichen Judentor. 1905 bekam Kyborgia im
Haus ein
anderes Lokal, das 1906 zum erstenmal elektrisch beleuchtet wurde. 1926 zog
Kyborgia in die neue Letheburg im "Hotel Traube" und erhielt über sie allei­
niges Verfügungsrecht. Mehr als ein halbes Jahrhundert war Kyborgia mit dem
"Hotel Traube" und damit mit dem Coburger Hofbräu verbunden, bis im
dritten Reich auch Kyborgia sich auflösen mußte.
Am 13. Februar 1937 sippte man ZUl11 lctztcnmal. Mehr als ein Dutzend
unentwegter Sassen hielten aber an diversen Stammtischen auch über die uhu·
finstere Zeit treu zur Fahne und begannen am 14.
1945 sich wieder
zu sammeln, um nach 59 sogen. "Zusammenkünften" (Kontrollgesetz unter­
drückte die Koalitionsfreiheit) am 26. Dezember 1947 die erste Sippung in de?
Notburg "Halber Mond" der neu erstandenen Kyborgia zu kreieren.
Arn 8. Januar 1948 hatte Kyborgia wieder eine
Burg im "Löwen",
bis dann im Herbst 1956 im gleichen Haus die stattliche Burg Co bezogen
werden konnte.
Seit 40 lahren bereitete Kyborgia, federführend für alle Frankenreyche, all·
jährlich zur Sommersonnenwende die Stafte1stein-Sippung vor, die zum Treff­
punkt der Schlaraffenbriider aus allen Gauen
auch aus den uhufinsteren
Zonen -
geworden ist. Hat schon Graf Gleicher! den schl

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 448-451