IN DUNKLER PROFANEI
ERLOSCH DAS LICHT DER BLAUEN KERZE NICHT
Eine Dokumentation über schlaraffische Hilfestellung für die „Ost-Reyche“ Lipsia (3) Suerina (79)
Vimaria (85) Erforda (109), Potsdamia (111) Budissa (136), Castrum Plaviense (172) Geraha (291)
in den Jahrungen vor der „Wende“ a.U. 130
Ziel dieser Darstellung ist: Kein Vergessen der Verbindungen zwischen Ost und West in der Jahren
der politischen Trennung Deutschlands nach dem Krieg (1945 bis 1990).
Am 3. Oktober 1990 (a.U. 131) hörte die DDR auf, als Staat zu existieren. Damit begann für die
genannten acht Reyche, die bis dahin „im Verborgenen blühten“, ein freies Sippen, wie es für ihre
Freunde im Westen schon seit 1945/46 selbstverständlich war. In den Köpfen und Herzen lebt je-
doch die Erinnerung an das, was zuvor war, im Licht der Blauen Kerze der Freundschaft fort.
Es bedarf dieser Erinnerung für die Gegenwart und die Zukunft unseres Bundes, um ihren Wert über
alle Zeiten hinweg zu erhalten, und zwar frei von alten und neuen Legenden. Es sind nicht mehr vie-
le, die dies „hüben und drüben“ erlebten. Die Zahl der Ahallarecken und ihre Namen sollen unseren
Nachkommen erhalten bleiben, um diese Zeit zu verstehen und sie in ihren Herzen aufzunehmen.
Über die in dieser Chronik an anderer Stelle enthaltenen Reychsberichte hinweg, die die Schwie-
rigkeiten des Fortbestehens und das Geschehen in den Sippungen schildern, über die zahlreichen
Artikel in den Zeyttungen nach der Wende, über Ritterarbeiten etc. hinaus soll versucht werden, ein
historisches Gesamtbild dieser Jahrungen zu schaffen.
Schlaraffia spiegelt die Probleme der Zeit
Der „Bund Deutsche Schlaraffia e.V.“ erhielt 1937 vom Reichsinnenministerium die Aufforderung,
sich freiwillig aufzulösen. Ein außerordentliches Concil zu Lipsia fasste den Beschluss, „den Bund
nach dem Wunsch der Reichsregierung mit Wirkung vom 28.2.1937 aufzulösen“. Danach blieb den
Schlaraffen in Deutschland nur das Verbleiben an Stammtischen, zumal ihre Burgen zwangsweise
geschlossen wurden.
Kurz nach Kriegsende begannen die „Westreyche“ in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) wie-
der zu sippen. Im Osten, der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), war dies infolge neuer
diktatorischer Maßnahmen jedenfalls öffentlich bis zum 3.10.1990, also weitere 45 Jahre nicht mög-
lich.
So „blühten denn manche Reyche im Verborgenen“. Von 19 Vorkriegsreychen in den Ländern der
späteren DDR blieben die genannten 8 sippend übrig; die weiteren konnten das mangels Sassen
nicht mehr schaffen. So mancher verließ, was bis zum Mauerbau 1961 möglich war, die DDR zu
den Familien im Westen oder einfach aus Altersgründen. So ersparte sich die DDR die Rentenzah-
lungen.
Nach dem Mauerbau erhielten nur noch Rentner einmal im Jahr ein Visum zu Verwandtenbesuchen
im Westen. Es herrschte „Funkstille“ in den Reychen, was sich aus mancherlei Schwierigkeiten er-
gab, welche zu Vorsicht mahnten. Eine wesentliche Ursache war die Verhaftung des Rt Dynus d.h.
Vimaria aus Gründen, die mit Schlaraffia nichts zu tun hatten. Dabei wurde bei ihm die Stammrolle
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
aller damals in der DDR erfassten Sassen beschlagnahmt, wenn auch ohne erkennbare Folgen. Rt
Dynus war der „Sekretär“ des Sprechers der Ostreyche, des Rt Wurlitschek der hohen Lipsia. Von
ihm wurden die Sassen ob dieser Vorkommnisse zur Vorsicht gemahnt.
Jahre später, so etwa ab 1964 ergaben sich aufgrund politischer Veränderungen etwas größere Frei-
heiten, die aber mit den Verhältnissen im Westen Deutschlands nicht zu vergleichen waren. Auch
der Grundlagenvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten vom 21.12.1972 änderte nicht viel
an der grundsätzlichen Unfreiheit in der DDR. Dort galten z. B. die Vorschriften zur „Registrierung
von Vereinigungen“ vom 9.11.1967, die die Mitgliedschaft von Bürgern der DDR in staatlich nicht
erfassten Vereinigungen bei Strafe verbot. Es musste also bei vorsichtigen Zusammenkünften in
den Privatwohungen der Sassen bleiben. All dies war nur mit der ideellen und materiellen Unter-
stützung durch Freunde aus den Westreychen möglich. Darüber gilt es zu berichten.
Die Unterstützung einzelner Sassen und deren Familien durch befreundete Schlaraffen setzte schon
frühzeitig ein, ist jedoch nicht schriftlich festgehalten. Die Angst, die Freunde in der DDR evtl. einer
staatlichen Kontrolle preiszugeben, war groß. So beschränkten sich viele mit Paketaktionen, die mit
einem unverfänglichen persönlichen Gruß verbunden waren. Mit der Zeit wuchsen besondere Bin-
dungen aus früheren „schlaraffischverwandten“ Beziehungen oder auch aus der geographischen
Nähe wie z.B. Curia Salensis (316) zu Castrum Plaviense (172) oder Lubeca (57) zu Suerina (79).
Insbesondere galt dies für die Berolina (2). Deren Rtt. Malanders, Bonjur und SymBartibas waren
die westöstlichen Kontaktpfleger. Ihnen folgte Rt AucheinSpaß (2); alle handelten im Auftrag des
Landesverbandes Schlaraffia Deutschland (LVD). Es gelang ihnen auch, finanzielle Mittel von der
Bundesregierung zu erhalten, mit denen die Rtt. Bonjur und AucheinSpaß über viele Jahrungen
z.T. mehrmals im Jahr umfangreiche materielle Zuwendungen an Sassen der Ostreyche und deren
Familien gestalten konnten.
Diese und andere Aktivitäten führten a.U. 103 mit Genehmigung des ASR durch Rt WieDuKind (2)
zur Gründung der Gilde der Trutzritter-Gilde d.h. Berolina, als infolge des Mauerbaus die Einritte
in die Berolina und Lietzowia (175) und damit verbundene Besuche bei Freunden in der DDR ver-
sandeten und viele Sassen in den Westen übersiedelten. Die Verpflichtung der Trutzritter bestand
u.a. in „persönlicher und sonstige Hilfe für die Ostsassen und deren Mitsorge für schlaraffisches
Kulturgut“. Rt Bonjur erarbeitete einen „Status der Ostsassen“, in welchem u.a. auf die Hilfe für die
Ostsassen in materieller und geistiger Hinsicht hingewiesen wurde. Insbesondere sollten Ausritte
zu und Besuche bei den Freunden im Osten ihnen zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Aber
auch zurückhaltendes Verhalten bei solchen Besuchen wurde empfohlen, um dort niemanden in
Schwierigkeiten zu bringen.
Der Deutsche Schlaraffenrat (DSR) nahm mit Sendboten vom 8.6. a.U. 108 diese „Ausführungen
zustimmend zur Kenntnis und bringt seinen Dank für die gehabte Mühewaltung zum Ausdruck“.
Eine organisierte Hilfe war bereits zur 100-Jahr-Feier der Allmutter auf dem Concil zu Norimberga
a.U. 100 gegeben, als sich unter den teilnehmenden über 3.000 Sassen auch 44 Freunde (Rentner)
und 26 Burgfrauen aus den 8 Reychen der DDR befanden.
Rt Jur-Ass (17) hatte vom LVD die Aufgabe erhalten, durch persönliche Einritte in die Ostreyche de-
ren Teilnahme am Concil vorzubereiten. Er begann seine Mission bei der Messesippung d.h. Lipsia
am 3.9. a.U. 98, der weitere Sippungen folgten, u.a. die Thuringia-Sippung d.h. Erforda. Rt Jur-Ass,
für den wie für viele andere die Grenze kein unüberwindliches Hindernis war, war in den folgenden
Jahren „Mittler“ in jeder Beziehung: Als er den Vorsitz des „Deutschen Schlaraffischen Hilfswerks“
übernahm, konnte die Hilfe für die Freunde im Osten intensiviert werden.
Die zunächst noch losen Kontakte festigten sich in der Folgezeit nahezu von allein, insbesondere
nach dem 12.6 a.U. 117, als sich sämtliche Ostreyche zur Freundschaftssippung in d.h. Erforda
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
trafen. Ein anderer regelmäßiger Treffpunkt war zu Lipsia, wo sich zweimal jährlich eine größeren
Anzahl von Sassen aus Ost und West zu den Messesippungen trafen. Die „Westler” nutzten die
Möglichkeit eines Messevisums, das über die Industrie und
[… Fortsetzung im Originalband]