Castellum Palustre

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 314 — Castellum Palustre. Reychschronik aus Band IV (a.U. 126-149).

Volltext

314 Castellum Palustre
Das allzeyt fröhliche Reych Castellum Palustre beging in der ersten Winterung des Berichtszeitsrau-
mes glanzvoll seine 1.000 Sippung am 21.10. a.U.124. Der Profanei - also den Spitzen der Behörden
und den im profanen Ried ansässigen Serviceclubs - präsentierte sich das Reych.
Das Fest zeigte vor allem etwas ganz Wichtiges: den Zusammenhalt aller Sassen, die bei den Vorbe-
reitungen und dem Ablauf ausnahmslos mitwirkten. Als Nebenprodukt dieser Sippung entstand die
Hymne von Rt Fratz „Castellum Palustre, Du feine”, die seither bei Festsippungen gesungen wird
und der der Komponist Franz Xafer Frenzel, Jk Friedemann, einen mehrstimmigen Satz angedeihen
ließ.
Am 15.1. a.U. 129 wurde unserem Reych vom Ordenskapitul des h. Reyches Grazia „im Auftrag des
hochweisen Rates der Schlaraffia Austria in Anerkennung und Vertiefung schlaraffischen Wirkens
insunders durch die Einrichtung des sich nun zum zehnten Male jährenden Neujahrsempfanges
der Großkomtur des Austria Verdienstordens verliehen. Dieser Orden wird vom fungierenden Ober-
schlaraffen nur während der Neujahrsempfangs-Sippung - also einmal in jedem Jahr - getragen.”
Die Idee des Neujahrsempfanges, die sich seither in so manchem Vademecum im ganzen Uhuver-
sum wieder findet, fand die gebührende Anerkennung des Landesverbandes. Wld ER Unser Musi
(24), damals SRA-Vorsitzender, wurde zum Erb-Doyen des diplomatischen Corps Castellum Palus-
tres ernannt.
In der Winterung 130/131 wurde der Grundstein im übertragenen Sinn für den in den folgenden Jah-
rungen durchgeführten Burgumbau gelegt. Den Stein des Anstoßes bildete eine von den Ehrenrit-
tern des hohen Reyches Brundunum, Glanda und Sexograf, gefechste und gestiftete Bleiverglasung
für unsere Burgpforte. Dieser Bleiverglasung einen würdigen Rahmen zu geben, bedurfte es einer
neuen Burgpforte, die im Stile des Historismus gefertigt wurde.
Für die Kosten kamen fünf Sassen auf. Nun passte vor allem die Vorburg nicht mehr zur Burgpforte.
Auch die Vorburg wurde gestiftet, und in der Sommerung a.U. 135 wurde die gesamte Burg neu
eingerichtet und die Lüftung verbessert.
Die Kosten wurden durch eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrages, einer Bausteinaktion und Spenden
der Sassen unseres Reyches sowie unserer Ehrenritter aufgebracht. Am 10.12. a.U. 140 konnte das
50. Stiftungsfest begangen werden, ähnlich der 1.000 Sippung im profanen Riedbergpfarrsaal, mit
vorgegebenem eigenem Ceremoniale, diesmal mit neuerer Technik beim Rückblick (Multi Media),
aber in alter Tradition in den übrigen Darbietungen.
Bot in der 1.000 Sippung die Rieder Stadtkapelle eine würdige Untermalung, tat dies beim 50. Stif-
tungsfest die Obernberger Marktkapelle unter der Stabführung unseres Rt Zinkerl.
In den vergangenen zehn Jahrungen des Berichtszeitraumes mussten wir den Ahallaritt der letzten
Erzschlaraffen und auch manchen der zweiten Generation hinnehmen, ohne dass der Sassenstand
durch Neueintritte aufgefangen werden konnte.
In jüngster Zeit scheint allerdings das Nachwuchsproblem sich langsam zu lösen und eine jugend-
lich begeisterte Junkertafel lässt nicht nur den Fortbestand unseres Reyches hoffen, sondern auch,
dass unser Sippen mit Leben erfüllt in gebotener Tradition jene Freude bereitet, die unseren Bund
seit jeher unverwechselbar macht.
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315 Paixhanslia
In den Jahren, über die zu berichten ist, feierten wir a.U. 141 das 50. Stiftungsfest und 145 Jahre
Paixhanslia, die 1855 - vier Jahre vor Schlaraffia - gegründet und a.U. 90 in den schlaraffischen Welt-
bund aufgenommen wurde. Die Paixhanslia hat sich trotz der jahrzehntelangen vorschlaraffischen
Eigenständigkeit schnell in Schlaraffia eingelebt und ist heute in Schlaraffia und im schlaraffischen
Ideengut tief verwurzelt.
In der Festschrift zum 50. Stiftungsfest kommt dies auch dementsprechend zum Ausdruck: „Es wa-
ren gute Jahre, Jahre in denen wir die beglückende internationale Gemeinschaft Schlaraffia erfahren
und erleben durften. Jahre, die von tiefen persönlichen Freundschaften von Reych zu Reych und
über die Generationen hinweg geprägt waren.”
Auch über die Herkunft des Namens Paixhanslia und welche Bedeutung unsere Reychskanone hat,
konnte endlich Klarheit gewonnen werden. Die bislang offizielle Auffassung, dass sich der Name
von einem französischen Artillerieoffizier namens Jean Paix ableitet, der sich als Rüstungseinkäu-
fer längere Zeit in Vöcklabruck aufhielt, Mitbegründer der Paixhanslia gewesen sein soll, und zu
dessen Ehre die Kanone als Vereinsemblem gewählt wurde, hat sich als nicht richtig herausgestellt.
Eine genaue Sichtung des Archives förderte eine Vereinszeitung aus 1876 zutage in der es heißt:
„Ihr Zeichen ist die Kanone Paixhans. Sie (Anm: die Paixhanslia) will damit (Anm: mit der Kanone)
andeuten, dass sie sich berufen fühle, durch eigenes Bestreben, durch Frohsinn und gute Laune,
durch Witz und Satire Bresche zu schießen in die Bollwerke des Zopfthums, der Gleißnerei, Schein-
heiligkeit, Wohldienerei und der melancholischen Kopfhängerei.”
Der Paixhans war eine Bombenkanone mit großem Kaliber und trägt seinen Namen nach seinem
Erbauer, dem am 22.1.1783 in Metz geborenen Ingenieur Henri Joseph Paixhans.
Eine Besonderheit der Paixhanslia ist die „Paixhansliatische Arkeley”. Sie wurde a.U. 111 als Dank
und Anerkennung gegründet für Schlaraffenfreunde, deren Anrittsstrecke von ihrem Heimatreych
zur Paixhanslia mehr als 500 km beträgt. Da sich die Mobilität der Sassen wesentlich verbessert
hat, wurden die Satzungen, die sogenannte „Wehrgesetz-Verordnung” a.U. 135 dahingehend geän-
dert, dass zur Erreichung der verschiedenen Dienstgrade mehr Einritte als bisher nötig sind.
40 Jahre hatte die Paixhanslia im Gasthof Asanger in der Salzburger Straße ihr Uhunest. Die Auf-
lassung des Gastbetriebes machte einen Burgwechsel notwendig. In einer einzigartigen Geschlos-
senheit waren sich alle Sassen einig, das Burgproblem ein für alle mal zu lösen und erwarben ein
geeignetes Objekt am Stadtplatz, das mit viel Einsatz und Begeisterung zur neuen Burg gestaltet
wurde.
Am 4.10. a.U 141 (2000) wurde mit Freude und Stolz über das Geleistete die neue Burg eingeweiht.
In Anlehnung an das Reichsmotto „A lustige Eicht”, das der unvergleichliche Mundartdichter, unser
Ehrenmitglied Franz Stelzhamer, Ehrenschlaraffe Piesenham, der Paixhanslia 1872 gewidmet hat,
wurde mit dem Statut vom Lenzmond a.U. 146 der Willkomm-Orden „Ritter der lustigen Eicht” für
den Einritt in alle oberösterreichischen Schlaraffenreyche ins Leben gerufen.
Und schließlich hat das Reych seinen 14 Ehrenschlaraffen einen fünfzehnten hinzugefügt: Viktor Ka-
plan als Ehrenschlaraffe Turbine (a.U. 126). Das Reych zählt 37 Ritter, 1 Junker und 2 Knappen. Der
Altersdurchschnitt beträgt 61,5 Jahre. Die bisherige gute Entwicklung des Reyches ist in erster Linie
dem harmonischen Miteinander der Sassenschaft zu verdanken, das nicht nur fröhliche Sippungen
im Geiste Uhus fördert, sondern auch eine gesunde Reychsentwicklung gewährleistet. Diese Ge-
schlossenheit ist auch ein Garant für die Zukunft. Das walte Uhu.
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Quelle: Chronik Band IV, S. 399-400