372 Rocky Montania
Die letzte Chronik verkündet, unser Reych habe „durch Ankauf eine bleibende Stätte gefunden.”
Es kam aber doch anders: die profanen Behörden verboten uns das Sippen in unserer mit so viel
Mammon und Schweiß errichteten Burg. Dieses Zwischenspiel hat uns letzten Endes mehrere lang-
jährige Sassen gekostet, denn diese konnten einfach nicht mehr die Kraft aufbringen, noch einmal
von vorne zu beginnen.
Doch wir haben uns nicht unterkriegen lassen. Seit a.U. 131 sippen wir in einer der schönsten Bur-
gen Nordamerikas, wie uns immer wieder von einreitenden Freunden bescheinigt wird. Ein Einritt
bei uns lohnt sich auch deshalb, weil wir in dem Ruf stehen, besonders lustig und trinkfest zu sein.
Und trotz unserer etwas entlegenen Lage in Westkanada haben wir mehrere ausrittfreudige Sassen,
fünf der unsrigen sind Kolumbusritter, und einer hat gar den Basta.
Welches waren die Höhepunkte des verflossenen Vierteljahrhunderts? Da war einmal das rauschen-
de 25. Stiftungsfest, mit 200 Einritten. Auch die nord-/südamerikanische Brückensippung a.U. 144
war unvergesslich. Unseren ersten Ehrenschlaraffen haben wir auch erkoren, es ist kein anderer als
der Schriftsteller Karl May (ES Greenhorn), der ja unsere Gemarkungen schon vor über 100 Jahren
so eindrucksvoll beschrieb.
Doch der absolute Gipfel war wohl die Geburt unserer ersten und bislang einzigen Tochter. A.U. 138
wurde die hohe Kamlupsia aus der Traufe gehoben und a.U. 148 erhielt sie den AHA-Orden. Wir
sind stolz auf unsere Tochter, die bestens gedeiht. Trotz der nahezu 700 km (über 3.000 m hohe
Berge) ist ein reger und herzlicher Verkehr zwischen Mutter und Tochter entstanden.
Leider haben wir aber auch viele schwere Verluste erlitten: Die Ez Legionarus und Flaur-Kraut sind
viel zu früh gen Ahalla geritten. Auch mussten wir mit schwerem Herzen einige junge und vielver-
sprechende Sassen ziehen lassen, denn die Profanei entsandte sie in weit entfernte Gemarkungen.
Dennoch sehen wir voller Zuversicht der Zukunft entgegen. A.U. 152 werden wir unser 40. Stiftungs-
fest celebrieren, und wir haben das Glück, dass in unseren Reihen noch drei Erzritter regelmäßig
sippen, nämlich die Rtt Bar-Bar, Investi-Kuss und Uerige.
Dazu hat sich ein gutes Dutzend jüngerer Jahrgänge gesellt, und wenn wir weiter so tun wie bisher,
und wenn uns die anderen Reyche mit Einritten beglücken, braucht man sich um die Zukunft der
Rocky Mountania keine Sorgen zu machen.
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
373 Im Vest
Seit der Colonie Gründung (112) bis zur Niederschrift dieser Folge (148) können wir mit Freude
darauf verweisen, dass zwei der sieben Gründungsritter noch unter uns weilen, die Rittertafel zie-
ren und den schlaraffischen Tugenden sowie dem Geist Schlaraffias mit vollem Herzen verbunden
sind. Diese Treue u. Beständigkeit hat sich durch diese Freunde auf die gesamte Sassenschaft über-
tragen. Denn immer noch ist die jährliche Spanferkelatzung sowie die über alle Sprengelgrenzen
hinweg gerühmte „Bohnensuppe” ein fester Bestandteil unseres Spieles.
Einer der Höhepunkte des Berichtszeitraumes war das 25. Stiftungsfest a.U. 137 in der Stadthalle in
Gladbeck. Der Einritt einiger hundert Freunde, vorbei an den auf der Bühne postierten Sassen unse-
res Reyches, war ein viel beachtetes Novum in der Geschichte Allschlaraffias. Viel für das „Miteinan-
der-Zusammenwachsen” verdanken wir unserem Rt Pinzetto. Durch seine liebevoll, vorbereiteten
Kunst-Exkursionen in den Sommerungen, erschloss sich uns so manch unbekannt gebliebenes
Kleinod. Doch wie die Zeit nach ihren eigenen Gesetzen so arbeitet, blieb auch das Reich Im Vest
vom Wandel und dem Zahn der Zeit nicht unberührt.
A.U. 131 waren wir gezwungen unsere urige Burg „Uhlenhorst” zu verlassen. Denn das mehr als
400-jährige traditionsreiche Gemäuer „Schloss Horst” war für eine gründliche Restaurierung be-
stimmt. Nach langem Suchen einer Ersatzburg fanden wir in den Räumen der Freimaurer-Loge in
Gelsenkirchen eine angemessene Bleibe. Fast 10 Jahrungen sollte diese Notburg unsere Wirkungs-
stätte sein. Erst a.U. 141 waren Ausbau und Restaurierung vollendet und wir konnten die alten
Räume im neuen Stil wieder mit schlaraffischem Geist neu beleben.
Doch war die ursprüngliche Ausstattung der Burg, nach Maßgabe des Landeskonservators, nicht
mehr möglich. Welch Wunder, dass bei so manchem unserer Sassen die Enttäuschung nicht so
schnell zu verschmerzen war. Aber die Zeit heilt so manche Wunde. Hier konnten wir mittlerweile
unsere 1.000 Sippung erleben. Das Reich Im Vest verzeichnet bis Dato 13 Ehrenritter. Für beson-
ders eng verbundene Freunde wurde der Titul „Schildträger Amicus Brukterorum” geschaffen.
Mittlerweile wurden 15 Freunde geehrt. Der Ursprung dieses Tituls ist im Band III nachzulesen.
Der Zukunft unseres Reyches sehen wir optimistisch entgegen denn der Nachwuchs, über den wir
uns seit geraumer Zeit erfreuen können, berechtigt uns zu dieser Hoffnung. Doch wollen wir nicht
vergessen, dass wir das, so wie sich unser Reych heute darstellt, der Handschrift einiger Schwer-
gewichte zu verdanken haben, wie z.B. den Rtt Argustus, Hämmerlein, Oybinus, Pinzetto, Radiolar
und Tegtmeier.
Walte Uhu, dass uns die Freunde und die enge Verbundenheit zu ihnen - gleich ob sie noch unter
uns weilen oder bereits an der Rittertafel in Ahalla ihren Platz eingenommen haben – noch lange
erhalten bleibt.
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