Reych Nr. 315

Kaplan, Viktor

Unbekannt ·J-L

Beschreibung

Kaplan, Viktor Prof. Dr.
Titel: Turbo
Reych: Nr. 315 Paixhanslia a.d.V. (Vöcklabruck)
Geb.: 27.11.1876 in Mürzzuschlag
Gest.: 23.08.1934 in Unterach am Attersee

Volltext

österreichischer Techniker und Erfinder Sein Vater Karl Kaplan war Jurist und Verkehrsbeamter der Südbahn. Er war äußerst streng und hatte eine Vorliebe für Mineralogie und Musik. Die aufopfernde und liebevolle Mutter Jenny hatte viel für Musik übrig. Der Sohn Viktor hatte schon als Bub großes Interesse für die Technik. Er besuchte die Volksschule in Neuberg, von 1888 - 1895 die Kommunal-Realschule im 4. Wiener Gemeindebezirk. Sein Physikprofessor förderte das technische Interesse. Kaplan bastelte mit viel Geschick eine Elektrisiermaschine aus einer Flasche, einen kleinen Elektromotor, eine elektrische Eisenbahn und eine Dampfmaschine aus einer Kakaodose. Auch von einem selbstgebastelten Photoapparat wird berichtet. 1895 maturierte Kaplan und begann sein Studium des Maschinenbaus an der Technischen Hochschule in Wien. Nach der zweiten Staatsprüfung im Jahre 1900 rückte er als einjährig Freiwilliger bei der Kriegsmarine in Pola ein. Schon ein Jahr später trat Kaplan bei der Leobersdorfer Maschinenfabrik, die Dieselmotoren herstellte, als Ingenieur ein. Kaplan war mit den damaligen Motoren nicht ganz zufrieden und so arbeitete er intensiv an einer Verbesserung, die zum Patent angemeldet wurde. Es war ein „Kohlensäureexplosionsmotor", mit dem sich seine Firma nicht anfreunden wollte und ihn kurzerhand entließ, doch die Leobersdorfer Maschinenfabrik Ganz & Co. nahm ihn wieder auf. Noch im gleichen Jahr 1903 wurde Professor Donath von der Deutschen technischen Hochschule in Brünn auf Kaplan aufmerksam und besetzte die an der Lehrkanzel von Professor Musil in Brünn freigewordene Konstrukteurstelle mit Viktor Kaplan. Hier war Kaplan bis nach dem ersten Weltkrieg tätig und machte seine große Erfindung der „Kaplan-Turbine“, die ihren Siegeszug um die Welt antrat. Im Frühjahr 1909 promovierte er zum Doktor der Technischen Wissenschaften in Wien, danach erfolgte die Habilitation für Wasserkraftmaschinen in Brünn. 1910 wurde das Turbinenlaboratorium in Brünn in Betrieb genommen, zwei Jahre später meldete Dr. Viktor Kaplan sein erstes Patent einer Turbine an, 1913 verständigte er verschiedene Turbinenfabriken, dass er ein neues Laufrad mit spezifischen Drehzahlen und Wirkungsgraden konstruiert habe, das die bisherigen Werte weit übertreffe. Im gleichen Jahr wurde er zum Professor ernannt. Er entwickelte einen neuen Turbinentyp, indem er dem Laufrad verdrehbare Schaufeln zur Anpassung an wechselnde Betriebsbedingungen gab. Unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg wurde in der Stahlhütte der Firma Ignaz Storek die erste Kaplan-Turbine für den praktischen Einsatz gebaut. Nach den ersten Erfolgen mit der Kaplan-Turbine konnte sich Kaplan 1920 das kleine Landgut Rochuspoint in Unterach am Attersee kaufen. 1922 erkrankte Kaplan schwer, dazu kamen Schwierigkeiten mit seinen Turbinen und patentrechtliche Probleme, die mit Hilfe seines treuen Assistenten, des Dipl.-Ing. Slavik gelöst werden konnten. Der Siegeszug der Kaplanturbinen begann nach dem Einbau einer 1000 PS-Turbine am Traunfall bei Gmunden und einer Turbine für das Großkraftwerk Lilla Edet in Schweden. Kaplans Liebe galt auch der Landwirtschaft und den Tieren. Im Frühjahr wurde seinem Pensionsansuchen von der Hochschule in Brünn entsprochen. In seinen letzten Lebenstagen 1934 war Kaplan noch mit engen Freunden zusammen, bevor er durch einen Schlaganfall aus dem Leben gerissen wurde. Ein Jahr nach seinem Tode wurde er wunschgemäß von seiner Grabstätte im Friedhof Unteraurach in das Mausoleum auf Rochuspoint überführt. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt