Beschreibung
Rathgeber, Valentin
Titel: Quodlibet
Reych: Nr. 27 Kyborgia (Coburg)
Geb.: 03.04.1682 in Oberelsbach
Gest.: 02.06.1750 in Kloster Banz, Bad Staffelstein
Volltext
deutscher Komponist Valentin Rathgeber wurde am 3.4.1682 als Sohn des Lehrers in Oberelsbach geboren. Früh zeigte sich Intelligenz und musikalische Begabung, so dass der Pfarrer des Ortes sich für eine geistliche Karriere des jungen Rathgeber einsetzte, der so 1702 als Logicus in Rhetorik, Mathematik und Rechtswissenschaft an der Universität Thüringen aufgenommen wurde. 1704 erfolgte eine Anstellung als Schulmeister der Waisenhausschule, wo er aber wegen Vernachlässigung der Dienstpflichten zugunsten seiner Nebentätigkeit als Komponist geistlicher und weltlicher Stücke sowie als Unterhaltungskünstler in Schenken und Weinstuben 1707 wieder entlassen wurde. Da ihm aber trotz allem Künstlertum an einem äußeren Fortkommen gelegen war, ergriff er eine Gelegenheit, Kammerdiener des Banzer Abtes zu werden, ein Amt, das hier nicht im engeren Sinne zu verstehen ist, sondern in seinem Fall auf Arbeit als Musiker für das Kloster abzielte. Am 26.11.1707 begann er sein Noviziat, durchlief die vorschriftsmäßigen Stationen und wurde 1711 zum Priester geweiht. Bis 1729 entstanden in Kloster Banz seine Opera I bis VI, wobei ein Opus aus sechs bis acht Messen oder anderen größeren Konzertstücken bestehen konnte. Auch Tafelmusiken befanden sich darunter, die guten Absatz fanden, denn Rathgeber hatte einen Augsburger Verleger gefunden. Mittlerweile war dem geistlichen Musiker das Klosterleben zu eng geworden, den immer gewandter gewordenen Komponisten, der durch seine Stellung mit weltläufigen Menschen jeglicher Provenienz zusammenkam, dürstete es nach mehr Erfahrung in der Welt und Horizonterweiterung, und er bat um Entlassung, die ihm aber versagt wurde. So machte sich der immerhin Achtundvierzigjährige am 22. Oktober 1729 ohne Erlaubnis auf den Weg und begann eine neunjährige Fahrt, die man als seine „Geniereise“ bezeichnete und die er nach einem naheliegenden Prinzip beschritt: er widmete ein neues Werk dem Abt des Klosters, das er als nächstes aufzusuchen im Sinn hatte oder einer Persönlichkeit, die ihm zu einer Bleibe verhelfen konnte. Die jeweils so Geehrten waren dann in der Regel auch geneigt, der beigefügten Bitte zu entsprechen, denn sie sahen ihren Namen sehr gern in einer Widmung einer Komposition des inzwischen nicht unbekannten Komponisten vorangestellt. Auf diese Art gelangte Rathgeber über Trier bis an den Bodensee, nach Aargau und Zürich, wo er ein Konzert gab, Tettnang und Langenargen, Pfäfingen und Sankt Gallen. Die berühmten Klöster Melk, Heiligenkreuz und Mariazell gehören ebenfalls zu seinen Stationen. Nicht überall machte er nur gute Erfahrungen, denn da er sich als einerseits Mitbruder, anderseits aber nur Gast nur schlecht ins Klosterleben einbinden ließ, kam es auch zu Reibereien und Intrigen. So musste er in Pannonhalma in Ungarn sogar seinen festen deutschen Überrock zurücklassen, als man ihn des Klosters verwies, weil er seine Zeche nicht bezahlen In anderer Beziehung verschaffte das unstete Leben ihm Vorteile für die Zukunft, denn über den Verlag seiner Werke flossen seinem Heimatkloster Banz regelmäßig Einkünfte vom Verkauf seiner Werke zu, was den Zorn des Abtes über den Ausreißer recht bald dämpfte und wohl eher einem gewissen Stolz auf einen Komponisten wich, der durch sein außerordentliches Talent Ansehen und Reichtum des Klosters mehrte. Bis 1738 hatten seine Reisen die Opuszahl von VII bis XIX aufgefüllt, und den mittlerweile Siebenundfünfzigjährigen zog es in die Sesshaftigkeit zurück; vorsichtig begann er seine Fühler in Richtung Heimat auszustrecken und wagte am 2. September, die Klosterpforte Banz wieder zu durchschreiten, diesmal als stolzer und gleichzeitig reumütiger Heimkehrer. Um einige auferlegte Bußübungen und eine Zeit der inneren Einkehr in einer einfachen Zelle blieb ihm nach der Klosterregel nicht erspart, auch eine Generalbeichte in Bamberg musste er ablegen. Schließlich aber nahm er seinen einstigen Klosteralltag als Chorleiter, Organist und Kompositeur wieder auf, der ihn bis zu seinem Tode am 2. Juni 1750 ausfüllte und noch eine Fülle von Werken sowie einen Reisebericht und Gedanken zur Musik allgemein erbrachten. Valentin Rathgeber, den das Uhuversum von nun an schlaraffisch ES Quodlibet nennen darf, stellt sich als wichtigster main-fränkischer Komponist dar, dessen musikhistorischer Stellenwert nicht unbeträchtlich ist. Als Quodlibet, oder auch Quotlibet mit „t“ bezeichnet man in der Musik eine humoristisch scherzhafte Musizierweise, in der verschiedene Melodien mit dazugehörigen Texten kontrapunktisch zu einem mehrstimmigen Tonsatz verknüpft werden. (lat. quodlibet – was beliebt oder auch quotlibet – wieviel beliebt) Unser ES hat dieser Musikform zu Verbreitung und Beliebtheit verholfen, die sich bis in die Chormusik geselliger Art des 19. Jahrhunderts hinein großen Zuspruchs erfreute. (Text : Rt.Maxi-Fex (27))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt