Reych Nr. 261

Schmiedl, Ulrich

Unbekannt ·S-U

Beschreibung

Schmi(e)dl, Ulrich
Titel: Chronist vom Silberstrom
Reych: Nr. 261 Bonaerensis (Buenos Aires)
Geb.: um 1510 in Straubing
Gest.: 1581 in Regensburg

Volltext

deutscher Entdecker, Konquistador und Geschichtsschreiber Schmidel entstammt einer begüterten und hochangesehenen Familie. Ulrichs Vater war Bürgermeister in Straubing. Von 1535-52 nahm er in spanischen Diensten unter dem Konquistador Don Pedro de Mendoza, einem der reichsten Männer Spaniens, an der Eroberung der La Plata Lande teil. Es muss etwas besonderes gewesen sein, was Ulrich oder Utz, wie er drüben in Südamerika genannt wird, veranlasste, sich aus der Enge der kleinen Stadt heraus in die weite Welt zu wagen. Die Entdeckung Amerikas war erst wenige Jahre her, Berichte von drüben faszinierten noch immer ganz Europa, aber Schmidel wollte alles selbst erleben und darüber berichten. In Antorff, dem heutigen Antwerpen, beginnen seine „Wahrhaftigen Historien" mit dem Einschiffen und der Fahrt nach Cadiz in Spanien. Dort lag die von Mendoza aus eigenen Mitteln zusammengestellte Armada von 14 Hochseeschiffen zum Auslaufen nach Südamerika bereit. Dazu war er von Kaiser Karl V. bevollmächtigt, der ihn mit Vertrag vom 21.5.1534 zum Oberbefehlshaber der Armada und zum Gouverneur und Adelantado der zu erobernden Gebiete am Rio de la Plata ernannte. Ausdrücklich wurde vereinbart, dass drei befestigte Städte zu gründen seien. Eines der 14 Schiffe hatte sich der bewaffneten Armada als Begleitboot angeschlossen, auf dem 80 deutsche und niederländische Kaufleute fuhren. Schmidel war Mitglied dieser Gruppe. Das Schiff gehörte den Nürnberger Kaufleuten Sebastian Neidhart und Jakob Welser. Ihre Aufgabe war es, die eroberten Länder wirtschaftlich zu erschließen. Am Rio de la Plata, dem „Silberstrom", war ein gewinnträchtiges Unternehmen zu erwarten. Oft wird geschrieben, dass Schmidel als Landsknecht in spanischen Diensten nach drüben ging. Davon kann keine Rede sein. Schmidel begleitete die Expedition fast 20 Jahre lang. Er war dabei als Buenos Aires gegründet wurde und Asuncion, die Hauptstadt von Paraguay. Er war auch Zeuge des befohlenen Rückzugs aus Peru, ein demütigendes Ereignis. All die langen Jahre hatten so gut wie nichts eingebracht. In Asuncion erreichte ihn die Nachricht, dass sein Bruder, der damals Bürgermeister in Straubing war, schwer erkrankt sei. Zurückgekehrt traf er ihn zwar noch lebend an, aber wenig später verstarb sein Bruder. Ein neuer Lebensabschnitt begann für Ulrich Schmidel. Im Zuge der Gegenreformation musste er mit anderen Glaubensbrüdern 1562 Straubing verlassen. Die reichsfreie Nachbarstadt nahm ihn gerne auf. Dort kaufte er sich ein Haus. Er verheiratete sich zweimal, hinterließ aber keine Kinder. In Regensburg konnte er sich ganz der Niederschrift seiner Erlebnisse widmen. Bereits 1567 erschien in Frankfurt eine Erstausgabe seiner „Wahrhaftigen Historien". Nach seinem Tode folgten weitere Auflagen mit Übersetzungen in die lateinische, französische, niederländische, spanische, portugiesische und englische Sprache. Ulrich Schmidel war ein Bestseller-Autor geworden. 1903 würdigte Bartolome Mitre, ehemaliger Staatspräsident von Argentinien, Ulrich Schmidel in einem 500 seitigen Geschichtswerk als „Primer historiador della Republica Argentina", den ersten Geschichtsschreiber Argentiniens und außerdem als „genauesten und zuverlässigsten", wie er hinzufügte. Da Schmidel auch Mitbegründer von Buenos Aires (deutsch Gute Winde) war, wurde ihm der Ehrenschlaraffenname „Historiador vom guten Wind" bei seiner Erkürung zum Ehrenschlaraffen zuteil. 1922 erschien eine Neuausgabe seiner Berichte der Abenteuer in Südamerika in der Reihe „Alte Reisen und Abenteuer" von Curt Cramer. (Text: Rt. Fontanus (223))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt