Nr.29 Ase I BUR G I A
(Asc.ltaffenburg)
gegründet 23.4. a. u. 22 (1881)
Die günstige Entwicklung der Bekleidungs-Industrie
im Raume Aschaffenburg ver anlaß te den Bekleidungs
kaufmann Bernhard Hamburger im Jahre 1880 seine Tä
tigkeit von Stuttgart nach Aschaffenburg zu verlegen. Er
war kurz vorher im hohen Reyche Stutgardia Schlaraffe
geworden und hatte den Ritternamen Buxldn der Zuver
lässige erhalten. R. Buxkin lernte in Aschaffenburg den
R. Foliant, der Sdtweinslederne des h. Reyches Aemona
kennen (Willy Aarons), der sich ebenfalls in Aschaffen
burg niedergelassen hatte. Beiden zusammen gelang
es, einen Kreis gleichgesinnter Freunde um sich zu sammeln, die sie be
geistern konnten, in Aschaffenburg Uhu ein Nest zu bauen. Besonders ta
ten sich dabei hervor, J. Sohn, der den Schlaraffennamen Jus der Sdtlag
fertige erhielt; ferner Emil Walter mit dem Schlaraftennamcn R. Cancan der
Keusdte VOH1 gefüllten Tamtam sowie H. Hein, R. MOl1dsdteiH der Büdtsen
freund. Die Rolle der Erzschlaraffcn nennt außerdem noch J. Berghof als
R. Bariton der Metallreidte, Emmerich Goes als R. Bod~fuss der Lad~ierte und
O. Dilsheimcr als R. Stadtpump der VierprozeHtige. Jk. Max (M. BeiIhack),
Jk. Daniel (Daniel Hamburger), Jk. Carl (Carl Loeser), JIc Will1clm (W. Kissen
berth), Jk. Julius CL Ittmann), Kn. Nr. 6 (Karl Gossmann), Kn. Nr. 7 (Franz
Meyer), Kn. Nr. 8 (Carl Englert). Ehrenschlaraffe des jungen Reyches war der
Kg1. Musikdirektor E. Rommel in Aschaffenburg mit dem Namen Piano der
SaiteHsdtläger.
Die Besprechungen, die zur Gründung eines Schlaraffenreyches in Aschaffen
burg führten, fanden am 23. Ostermond a. u. 1581 im Gasthaus "Zur Rose"
statt. Daher erscheint im unteren rechten Feld des Wappens der Schlaraffia
Asciburgia eine stilisierte Rose.
Die Sanktion mit Ritterschlag und Ordensfest konnte das junge Reych
am 30. Lethemond a. u. 1581 begehen. Sie wurde von Stammvater Graf
GleidteH, dem Botschafter der hohen Allmutter Pr aga in gar feyerlicher Weise
celebriert. Damit trat Schlaraffia Asciburgia vollberechtigt in die Reihe der
Schlaraffenreyche ein, ohne Kolonie gewesen zu sein. Sie war das letzte Reych,
das diese Vergünstigung genoß. Schon am 10. Ostermond a. u. 1581 hatte
die hohe Allmutter die bestehenden Reyche um Zustimmung zu einer Spiegel
änderung ersucht, nach der neugegründete Reyche sieb künftig einer Prüfung
von mindestens einem profanen Jahr unterziehen sollen, ehe sie von der Praga
die Sanktion zur Aufnahme in den Bund Allschlaraffias zu beanspruchen haben.
Die Wahlen bei der Sanktionsfeyer ergaben: Oberschlaraffe : R. Jus der Sdtlag
fertige; Kantzler: R. FoliaHt der Scl1wcit1s1ederne; Reychsmarschall: R. Cacan
der Ke"!scue; Schatzmeister: R. Stadtpump der Vierprozentige; J unker- und
Ceremonienmeister: R. MOHdsdteiH' der Büdtsenfreund. Das Reych bestand
aus 17' Sassen; diese Zahl stieg in den nächsten Jahren auf etwa 20. Die
Slppungen fanden in der alten Frohsinnburg in der Frohsinnstraße statt;
im nächsten .T ahre siedelte das Reych in die Brauerei zur Rose (Gründungs
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lokal) über, bis es a. u. 1583 für sechs Jahre in der Brauerei des R. SchaU111
in der Landstraße eine Burg einrichten konnte.
Die Winterung 1582i83 brachte zwei Änderungen in der Besetzung der
Wahlwürden. R. Buxldn wurde neben R. Jus zum Oberschlaraffen gewählt
und Kantzler Foliant wurde fahrend, da er von Aschaffenburg wegzog. Die
Würde des Oberschlaraffen des Äußeren bekleidete R. Jus fünfzehn Jahre lang.
Von ihm sagt ein älterer Chronist: "Die ehrenvolle Stellung, die sich Asci
burgia im Laufe der Zeiten in Allschlaraffia errungen, verdankt sie zum
weitaus größten Teile der hellodernden Begeisterung und unbegrenzten Opfer
willigkeit, mit welcher Hkt. Jus der schlaraffischen Sache zugetan, nicht minder
aber auch der Umsicht und Weisheit, mit denen er die Geschicke Asciburgias
durch fünfzehn Jahrungen g-elenkt hat"
Eine ähnliche Erscheinung war Erb-Hkt. Formidable mit der zweitelt JugeYld
(Rudolf Rieth). der siebzehn Jahre lang das Szepter Asciburgias führte.
Sechszehn Jahre lang wirkte als Oberschlaraffe und gleichzeitig als Kantzler
Erb-Hkt. Georg mein Bräutchelt der EiYlzige (Carl Gossmann). Bei seinem
Ahallaritt am 26. 1. a. u. 55 (1944) schrieb der Schlaraffia Zeytungen, daß
der Ahallaritt des Erb-Hkt. Georg das schmerzlichste Ereignis sei. das Asci
burgia bisher getroffen habe. Beileidskundgebungen aus allen Teilen des
Uhuversums, insbesondere auch von der h. Allmutter, bewiesen, wie wohl
verdient er si.ch um Schlaraffia gemacht und welche Hochachtung er im
profanen Leben genoß.
Vierzehn Jahre lang stand an hervorragender Stelle im Reyche Asciburgia
Erb-Hekt. Großfürst Adonis (Wilhe1m Abb). Er spielte audl im öffentlichen
Leben der Stadt Aschaffenburg als Stadtrat und Vertreter des Oberbürger
meisters eine einflußreiche Rolle. Das Wohl seines Reyches lag ihm besonders
am Herzen bis er im neunundachtzigsten Lebensjahr den Ritt nach Ahall
antrat.
Sein Freund Erb-Hkt. Großfürst Papyro war 21 Iahre lang Oberschlaraffe.
Als Direktor der Aschaffenburger Buntpapierfabrik genoß er weit über die
Grenzen der engeren Heimat hinaus großes Ansehen. In Allschlaraffia war
er als Sasse von hinreißender Eloquenz und herzlichem Entgegenkommen
bekannt. der als Kavalier der alten Zeyt seinem Reyche freigebige Unter
stützung zuteil werden ließ.
Es ist in dem engen Rahmen dieser Chronik nicht möglich all den hoch
verdienten Sassen und Würdenträger der Schlaraffia Asciburgia zu gedenken.
die sich besondere Verdienste um das W ohl des Reyches erworben haben.
Aber auch eine kurze Chronik wäre unvollkommen, ließe sie drei besonders
markante Persönlichkeiten unerwähnt. die nicht nur durch ihr Wirken als
Schlaraffen, sondern auch durch ihr Ansehen in der profanen Welt dem Reyche
viel nützten. Es sind dies: Erb-K. und Erb-Sch. Wil/e1~um der Mil1nesäHger
(Carl Trockenbrodt), der fünfzehn Jahre lang beide Würden trug; Erb-I.
USW, Balzgraf Horridotl (Jacob Desch) und Erb-J. Großfürst Capital10 der
Mamestiirmcr (Heinrich Desch), die beide jeweils sechzehn Jahre lang als
lunkermeister den Nachwuchs in erfolgreicher. individueller Methode erzogen
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und stets eine offene Hand und ein offenes Herz zeigten. A. u. 1585 war
Asciburgia bei der Gründung der Colonie Francofurta durch R. Barm/m tätig
geworden. An der Gründungsfeyer nahmen Hkt. BuxhiJ1 und J. MOl1dschein teiL
Am 25. 4. a. u. 15'91 beging Asciburgia das zehnjährige Stiftungsfest.
R. Jusculus hatte ein Festspiel zu dieser Feyer geschrieben, das leider ver
loren gegangen ist. In diesem Jahre erschienen erstmals Partitur und Text
"derer Schlaraffen Lieder". Viele Jahre vorher hatte Asciburgia eine An
regung hierzu gegeben, der damals noch kein Erfolg beschieden war. A. u.
1589 fand die feyerliche Weihe der "Riesenburg" in der Herstallstraße statt,
die dem Reych sechzehn Jahre lang als Heimstätte Uhus diente. A. u. 1596
brachte das fünfzehnte Stiftungsfest, zu dem Graf Gleichen I. eingeritten war.
Unter den Sassen des Reyches bestand seit jeher ein starkes Zusammen
gehörigkeitsgefühl, so daß man sich am Schluß der Winterung nicht trennen
wollte. Unter der Regie einer Sommerherrlichkeit wurden und werden daher
in der Sommerzeit Krystallinen mit Burgfrauen aufgezogen. lviögen es das
Sommerfest der Hkt. Papyro im Schönbusch, die Gartenfeste bei R. Willekumm
und bei R. Kniff oder die Treffen bei R. Draga "unterm Appelboom", die
Hammelatzungen bei R. Rustims, die alljährlichen Spargel- oder Wildsau
Atzungen, die Krystallinen in Stichlings Garten, die Schiffahrten mit R. Wil
lems Mainflottille oder die Pickelsteiner-Atzungen bei "Tante Jula" sein
oder gewesen sein, stets nahmen sie einen harmonischen, fröhlichen Verlauf.
Nach einem kurzen Intermezzo der J ahrung a. u. 46/47 in der alten Froh
sinnburg in der Frohsinnstraße konnte a. u. 49 die neue Frohsinnburg in
der Weissenburger Straße
werden, die bis zur zwangsweisen Auf
lösung des Reyches a. u. 78 Heimstätte Uhus bildete. A. u. 1593 auf dem
Dresdener Condl war Legat Hkt.
[… Fortsetzung im Originalband]