Landesverband Nordamerika — Bericht

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Bericht des Landesverbandes Nordamerika

Volltext

LANDESVERBAND
NORDAMERIKA
Der Landesverband Schlaraffia Nordamerika unterscheidet sich von den europäischen Landesver-
bänden in zweierlei Hinsicht: Einmal leben wir in einem Umfeld, in dem Deutsch nicht die Um-
gangssprache ist, zum anderen sind die Entfernungen hier viel größer als im deutschsprachigen
Kerngebiet Europas.
Obwohl deutschsprachige Einwanderer den größten Anteil an der Gesamteinwanderung der ver-
schiedenen Volksgruppen in die USA hatten (ca. 15%), kamen sie erst „später”, als die ersten Kolo-
nien bereits etabliert waren. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Gründen: Religiöse oder politi-
sche Verfolgung in Europa, Flüchtlinge, aber auch zahllose junge Männer und Frauen, die dem Ruf
„Amerika du hast es besser” folgten und sich in der Neuen Welt eine neue Existenz aufbauten. In
Kanada begann die deutsche Einwanderung später, aber das Bild ist dort ähnlich.
Doch der Sog der Assimilierung ist sehr stark (nicht nur bei den deutschsprachigen Gruppen!),
denn in der Schule, im Beruf, unter Bekannten und Nachbarn wird die Landessprache gesprochen.
Man kann dies am Aufblühen und dem Rückgang der deutschsprachigen Zeitungen, des Theater-
wesens und anderen Indizien ablesen. Heute ist Deutsch als Fremdsprache auf die 4. Stelle in den
amerikanischen Schulen abgesunken. Lt. Census 2000 wird Deutsch zu Hause nur noch von 0,5%
aller Einwohner der USA gesprochen. Die großen Einwanderungswellen aus deutschsprachigen Ge-
bieten gehören der Vergangenheit an - es sind heute nur noch wenige Zehntausend pro Dekade, fast
dreiviertel davon Frauen. Aber auch wenn die Sprache verloren ging, sind die Beiträge zu Wirtschaft,
Kultur, Wissenschaft, den Künsten durch deutschsprachige Einwanderer und deren Abkömmlinge
doch unübersehbar.
Die Größe des Landes macht den anderen entscheidenden Unterschied zu Europa aus. Nordameri-
ka ist flächenmäßig 44 x so groß wie das deutschsprachige Kerngebiet Schlaraffias in Europa. Unter
den 94 Bundesstaaten bzw. Provinzen in Nordamerika gibt es nur 18, die ein oder mehrere Reyche
aufweisen, auch wenn diese 18 geografischen Einheiten etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung
von Nordamerika ausmachen. Der Rest ist „uhufinster”. Im Vergleich dazu bestehen im deutsch-
sprachigen Kerngebiet in Europa praktisch in jedem Bundesland oder Kanton ein oder mehrere
Schlaraffenreyche, und die Länder bzw. Kantone sind flächenmäßig kleiner als die nordamerikani-
schen Bundesstaaten bzw. –provinzen. Eine Folge davon ist, dass Einritte in Nordamerika eher die
Ausnahme sind. Umso größer ist die Freude, wenn Einritte auch aus Übersee kommen.
Die Entwicklung von Schlaraffia in Nordamerika verlief parallel zu den großen Einwanderungsschü-
ben. Das erste Uhunest entstand in San Francisco 1884, gegründet von deutschen Schauspielern.
In den 30er-Jahren von 1884 bis zu Beginn des 1. Weltkriegs folgten dann 16 weitere Reychsgrün-
dungen, vier davon Töchter von europäischen Mutterreychen, die anderen Abkömmlinge der bereits
in Amerika existierenden Reyche. 14 dieser 16 Reyche bestehen heute noch – erloschen sind die
Caesarea (1952) und die Nova Yorkia (1988).
Obwohl der 1. Weltkrieg für Schlaraffia einen Einschnitt brachte, wurde doch zum größten Teil wei-
ter gesippt. Allerdings sank die Zahl der Sassen etwas ab. Auch in der Profanei ging der Gebrauch
der deutschen Sprache zurück; Straßen wurden umbenannt; die in vielen Städten bestehenden
deutschen Theater kamen zum Erliegen und lebten danach nicht wieder auf.
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
Nach dem ersten Krieg erbrachten die amerikanischen Reyche großzügige Hilfeleistungen an eu-
ropäische Schlaraffen, auch um Schlaraffen aus sibirischer Gefangenschaft heimzuholen. Hier war
es das besondere Verdienst von Rt Galvano der Plastische (Filadelfia, später Chicagoana; auf dem
X. Concil zum Ehrenritter Allschlaraffias erkürt), der maßgebend diverse Spendenaktionen koordi-
nierte. Zwischen den beiden Kriegen enstanden weitere Reyche: Losangela sowie Detroitia (1928),
Nova Orleana (1930), Porta Kentuckia (1935) und Portus Betsiae (ebenfalls 1935, jedoch erst 1938
in Allschlaraffia aufgenommen), sowie Baltimora (1939), das letzte noch von der Allmutter geneh-
migte Reych. Von diesen sechs Reychen erloschen die Porta Kentuckia (1963), die Baltimora sowie
die Portus Betsiae (2004/2005). Auch die noch aus der Zeit vor dem ersten Krieg entstandene
Ludovica Missouria schloss 1981 für immer die Pforten.
Trotz des ersten Krieges war die durchschnittliche Größe der amerikanischen Reyche jedoch mehr
oder weniger konstant geblieben (ca. 38 Sassen); ein scharfer Rückgang erfolgte erst mit dem Aus-
bruch der Weltwirtschaftskrise (Depression). Bis heute hielt sich – wiederum von den Kriegsjahren
abgesehen – der durchschnittliche Sassenstand pro Reych bei ca. 26 - 28. Neue Reyche kamen
hinzu bis 1997, jedoch waren einige der älteren Reyche arg zusammengeschrumpft.
Alle Reyche waren der Allmutter bis zu ihrem Untergang unterstellt. Direkte Verbindungen zwischen
den Reychen waren schon wegen der riesigen Entfernungen nicht so ausgeprägt wie in Europa.
Jedoch veröffentlichte schon vor 1924 ErbHkt Tilly (Brooklynia) „Lose Blätter” als Nachrichtenblatt
für Amerika, die 1925 durch den „UHUhall” ersetzt wurden. Dies war von der Allmutter genehmigt
worden und konzentrierte sich auf die Belange der amerikanischen Reyche, während DSZ das ge-
samte Uhuversum umfasste. – Die Schaffung von Koordinationsstellen oder eines „Landesverban-
des” erfolgte erst viel später und ging auch nur zögernd vonstatten. Treibende Kraft war wohl die
Vorahnung einiger Weitsichtiger, und vor allem die politische Entwicklung in Europa, beginnend in
den 20er-Jahren in Italien. Dort wurde der erste Versuch gemacht, eine Ländervertretung zu bilden,
jedoch mussten sich die italienischen Reyche infolge der damaligen Zeitumstände auflösen.
Im profanen Jahr 1928 fand als Vorbereitung zum Concil zu Juvavia eine Konferenz der amerika-
nischen Reyche statt. Die Chicagoana wollte jedoch die dort getroffenen Beschlüsse nicht aner-
kennen, weil sie keine „Länderabstimmung” wünschte. Eine weitere Konferenz fand 1929 statt,
in der u.a. die Anpassung der Gerichtsbarkeit an örtliche Gesetze befürwortet wurde. Nach dem
Austritt der deutschen Reyche aus Allschlaraffia (1933) rief Rt Gaudi (Filadelfia) die amerikanischen
Reyche auf, sich zu einer Einheit zusammen zu schließen, um die Zukunft des Bundes in Amerika
zu sichern. Die Chicagoana hatte hiergegen wiederum große Bedenken, betonte die Souveränität
der Reyche und wollte nur die Allmutter anerkennen. Andererseits insistierte ErbHkt Tilly, dass
eine Konferenz notwendig sei, schon um die Fragen des Freundschaftsschatzes, Einbehaltung der
Matrikelbeiträge usw. zu regeln. Auf Grund der großen Meinungverschiedenheiten legte Hkt Gaudi
(Filadelfia) sein Amt als OS nieder, an seine Stelle wurde Rt Blondel zum OS gekürt.
Rt Hyp (Praga) schrieb in einem Sendboten an die amerikanischen Reyche im Wonnemond 1934:
„… klar ist mir die schwierige Lage mancher überseeischer Reyche, die durch die Verbundenheit mit
der Heimat und ihrer geschichtlichen Entwicklung in ungewollte Konflikte kommen. Entscheidet
daher mit Ruhe und Überlegung und vermeidet alles, was zu einer neuerlichen übereilten Trennung
führen könnte. Eine Trennung ist leichter als eine Wiedervereinigung; ein Haus ist leichter einge-
rissen als wieder aufgebaut … - Vorschläge zur Errichtung von „Ländereien”, „Statthaltereien” o.
ä. wurden bereits auf dem Concil zu Maria Aquensis, also kurz nach der Trennung der deutschen
Reyche von Allschlaraffia, diskutiert. Dies wurde jedoch vorerst abgelehnt.
Nach dem Verbot der deutschen Schlaraffenreyche heißt es im UHUhall (IX, 1937): „… weil es den
amerikanischen Reychen vergönnt ist weiter zu best

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band IV, S. 56-63